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TYPOGRAFIE


universal type Entwurf 1928: HERBERT BAYER  Bild: NETSCHOOL

Das Layout, also der Gesamteindruck einer Seite, eines Plakates oder einer Webseite, umfasst das Zusammenwirken von Text und Abbildungen.
Die Typografie hingegen widmet sich nur den Textelementen, vom Buchstaben über das Wort, die Zeile und den Satz bis zum Textblock.
Großbuchstaben (=Versalien) und Kleinbuchstaben (=Gemeine oder Minuskeln) werden mit bestimmten Abständen (=Laufweite) aneinander gereiht. Bei zu geringen Buchstabenabständen ist der Text schlecht lesbar, sind die Abstände zu groß, wirkt der Text löchrig:
 
Hier ist die Laufweite zu klein, die Lesbarkeit beeinträchtigt.
 
Hier ist die Laufweite zu groß, der Text überdehnt.

 

Kommen Buchstaben nebeneinander zu stehen, die wegen ihrer Form große Freiräume entstehen lassen, sieht das erstens nicht gut aus und beeinträchtigt zweitens den Lesefluss.
Diese "problematischen" Buchstaben sind die Großbuchstaben A  L  T  V  W und die Kleinbuchstaben f  j r v w y.
Beim Wort   SPALTE   ist das "Loch" zwischen den Zeichen L und T gut erkennbar, aber auch der viel kleinere Freiraum zwischen dem P und dem A fällt unangenehm auf.
Wird der Abstand zwischen P und A bzw. zwischen L und T reduziert, sieht die Sache schon viel besser aus:   
SPALTE         darunter zum Vergleich das ursprüngliche Wortbild:
SPALTE

 

Die Größe des  Wortzwischenraums entspricht  - abhängig von der typografischen Philosophie - der Breite des Buchstabens i oder der Punze (= Innenraum) des Buchstabens  n.
 
Bei den Schriften gibt es welche mit Serifen (das sind die häkchenförmigen Enden),  Courier New   zum Beispiel und solche ohne: Verdana.

Schriften ohne "Füßchen" laden nicht zum Lesen ein, daher sind Bücher mit literarischen Texten immer mit Serifenschriften gedruckt.
 
Die weltweit meistverwendete Schrift ist die
Helvetica. Der Zürcher Grafiker Max Miedinger hat sie 1957 entwickelt. Anfangs hieß sie Neue Haas-Grotesk, dann Helvetia und seit 1960 Helvetica.
Unternehmen, die
Helvetica verwenden (Zeitungen: Guardian, Hürriyet; American Airlines, Panasonic, Schweizer Bundesbahn, ...):
 

           

 
Eine sehr junge Serifen-Schrift (veröffentlicht 2009) ist die von Stefan Huber für das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung WZB entwickelte . Als Geburtstagsgeschenk benannte das WZB die Schrift nach dem Soziologen Lord Ralf Dahrendorf.

Ebenfalls 2009 veröffentlichte der Schriftendesigner Erik Faulhaber die Aeonis, eine serifenlose, auf das für die Lesbarkeit Notwendigste reduzierte Schrift. Beim versalen hat er auf den Querstrich verzichtet, f und t haben keine Querbalken. Traditionalisten dürfen sich über ein herkömmliches freuen.
In allen Schnitten besitzen die Buchstaben gleiche Höhe. Die Aeonis-Familie verfügt über 3 Weiten und 7 Stärken.
 

Eine Schrift, die ihre Heimatstadt verkörpert wollten die Berliner Hannes von Döhren und Livius Dietzel schaffen. Ergebnis war die ITC Chino:

Akiro Kobayashi, künstlerischer Leiter von Linotype, gewann Adrian Frutiger, um dessen nach ihm benannten Klassiker, die "Frutiger" zu modifizieren: (alt - neu)
     

Tern (Trans European Road Network) wurde für eine bessere Lesbarkeit von Verkehrswegweisern im Rahmen eines EU-Projekts (In-Safety) am International Institut für Information und Design in Wien entwickelt:

Texte im Blocksatz füllen die ganze Zeile aus. Das führt bei kurzen Zeilen zu großen Wortzwischenräumen. Wie das unten abgebildete CHANEL-Stelleninserat aus dem KURIER zeigt:
Das Layout wirkt "zerrissen", vier (!) verschiedene Schriftgrößen machen es zusätzlich noch unruhig. Das weltbekannte Firmenlogo wurde nicht integriert. Damit hat man auf einen starken Blickfang verzichtet und eine hohe Markenbekanntheit nicht genutzt.  CORPORATE IDENTITY

 

Im folgenden - gekürzten - Stelleninserat wird eine Mischung verschiedener serifenloser Schriften, unterschiedlicher Laufweiten, Schriftstärken, Schriftgrößen und Hintergrundfarben eingesetzt. Das erzeugt zwar Aufmerksamkeit, erleichtert aber nicht das Lesen.
 
       
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Für ein Zeitungsinserat wühlte British Airways kräftig in der kreativen Kiste. Der optische Eindruck war toll, die Lesbarkeit weniger. Der Flug nach TOKYO kostete € 619. Was für die Strecken nach SAN FRANCISCO und NEW YORK zu bezahlen war, war nicht so einfach erkennbar:
 
 

 
  TOKYO SAN FRANCISCO NEW YORK  

 

Einen verwirrenden Schriftenmix zeigen auch sowohl das alte als auch das neue Layout der Kinderschokolade-Verpackungen.

 

 

Typografie für den Bildschirm

 
Die Darstellung der Schrift auf einem Monitor ist stark von Helligkeit und Kontrast beeinflusst. Liegen Farben mit ähnlicher Helligkeit oder ähnlicher Sättigung (z. B. 100 % Rot und 100 % Blau) dicht nebeneinander, kommt es zum Flimmern.  
 
 
Dunkle Schrift auf hellem Hintergrund wirkt kleiner, helle Schrift auf dunklem Hintergrund größer.
 

Schwarze Schrift auf weißem Hintergrund hat den besten Kontrast,

 

graue Schrift auf weißem Hintergrund liest sich jedoch angenehmer!

 
Gleiches gilt auch für die inverse Darstellung:
 
Weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund hat einen besseren Kontrast als

 

graue Schrift auf schwarzem Hintergrund, die sich dafür augenfreundlicher darstellt!

 

In der linken Spalte sind die Kontraste zu stark, die Darstellung flimmert; die rechte Farbkombination ist besser.
 
Die Hintergrundeinstellung ist 0 % Rot, 100 % Grün, 0 % Blau. Die Schrift besteht aus 100 % Rot, 0 % Grün und Blau Die Hintergrundeinstellung ist 80 % Rot, 100 % Grün, 60 % Blau. Die Schrift besteht aus 60 % Rot, 0 % Grün und Blau.

 

Die Wahl der Schriftart ist gut zu überlegen: beide Schriften haben in diesem Beispiel die gleiche Schriftgröße, nämlich 12pt!. Die Lesbarkeit unterscheidet sich deutlich.
 
Times New Roman ist die verbreitetste Serifenschrift. Häufig ist sie von der Software als Standardschrift eingestellt. Die serifenlose Verdana wurde für den Bildschirm entwickelt. Klare Formen sorgen für ein ruhigeres Schriftbild.

 

Wegen ihrer geometrischen Form sind serifenlose Schriften vom Pixelraster des Monitors besser darstellbar. Für die exakte Wiedergabe komplexer Schriften (mit Schnörkeln, Rundungen, Schwüngen,...) verfügen die Bildschirme über zu wenig Bildpunkte.
Aus der Vielzahl von Computerschriften sind nur wenige auf allen Computern darstellbar. Alle Betriebssysteme unterstützen die Schriften: Arial, Courier New, Georgia, Times New Roman, Trebuchet MS und Verdana.
 
Typografie-Freaks haben an Arial eine Menge auszusetzen. Sie sehen in der Schrift eine misslungene Kopie der Helvetica. Es wird vermutet, dass Microsoft die Helvetica gerade so viel abändern ließ, dass die daraus entstandene Arial als eigene Schrift deklariert und daher Lizenzgebühren, die für die Nutzung der Helvetica angefallen wären, umgangen werden konnten.
 
Courier New  ist eine Schrift mit fixer Breite (= Festbreitenschrift). Alle Buchstaben nehmen den gleichen Raum ein. Mit Festbreitenschriften geschrieben werden Texte länger als mit Proportionalschriften. Bei den Proportionalschriften nehmen schmale Schriftzeichen (i, l, 1,...) weniger Raum ein als breite (m, w, G,...).
 
Die nächsten drei Schriften wurden im Auftrag von Microsoft entwickelt:
Die Georgia  -  bei ihr haben auch die Ziffern Ober- und Unterlängen (1,6,9) und fügen sich deshalb gut ins Schriftbild ein. Sehr gut geeignet für große Textmengen im  Internet.
 
Trebuchet MS  - das MS, ein dezenter Hinweis auf den Besitzer. Serifenlos und ziemlich breit  - wie auch die  Verdana  - ist sie wie diese gut lesbar, jedoch noch etwas runder und aufwändiger.
 
Die englische Zeitung "The Times" ließ vor etwa 70 Jahren die Schrift  Times New Roman  entwickeln. Sie ist Platz sparend und - wichtig für den Einsatz im Zeitungsdruck - auch bei schlechten Druckqualitäten noch gut lesbar.
 
Wer Texte auf seiner Webseite als Grafik einbindet, ist nicht davon abhängig, dass eine bestimmte Schrift beim Empfänger installiert ist. Empfehlenswert bei Firmenschriftzügen, Wortmarken und Logos.
 
Für besonders kleine Beschriftungen sind die herkömmlichen Schriften nicht geeignet, weil nicht mehr genügend Bildpunkte zur Verfügung stehen. Für diesen Zweck verwendet man Pixelschriften (siehe Abbildung rechts). Das sind Schriften, die nur für eine bestimmte Pixelgröße entwickelt wurden, bei anderen Größen funktionieren sie nicht. Sie passen genau in den Pixelraster des Monitors. 

 


alt


neu


alt


neu

Nach sechzig Jahren wechselte IKEA die Schrift. War der Katalog bis 2009 in der leicht veränderten "Ikea sans" gedruckt, stieg IKEA beim Katalog
2010 auf Microsofts Internetschrift Verdana um, die auch auf der Firmen-Website verwendet wird.

 

Die Typopassage Wien ist ein "Mikromuseum für Gestal-tung von und mit Schrift". Sie ist in einem Zugang zum Museumsquartier eingerichtet. In mehreren Vitrinen sind in wechselnden Ausstellungen (3 pro Jahr) zeitgenössische typografische Arbeiten zu besichtigen, die experimentelle Auseinandersetzung mit Typografie zeigen. Zu jeder Ausstellung erscheint eine eigene Publikation, die rund um Typo der Grafikdesignerin Ariane SPANIERTypo der Grafikdesignerin Ariane SPANIER, Foto: WEBSCHOOL
die Uhr aus einem Automaten käuflich entnommen werden kann. Preis: 2 Euro. Der Eintritt ist frei, die Finanzierung wird vom quartier21/MQ bestritten.  www.typopassage.at   Bilder: WEBSCHOOL

 

Die indische Währung RUPIE sollte ein Symbol bekommen. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, die Entwürfe den Lesern der "Economic Times" zur Abstimmung  vorgelegt und das gewählte Zeichen ignoriert.
Eine Jury aus Regierungsmitgliedern bestimmte ein Symbol, das im Wettbewerb gar nicht

vertreten war. 4.200 Euro brachte dem Designer D Udaya Kumar das erkorene Zeichen. Die beiden horizontalen Linien des Entwurfs interpretiert er als Querbalken der indischen Staatsflagge. Rupie Abb. links, daneben andere Entwürfe

 

Im Jahresabstand findet in Berlin die Fachmesse für Designer und Typographen statt: www.typoberlin.de
Der italienische Verlag Eulda Books kürt jährlich die besten Logos (wolda - worldwide logo design award) und präsentiert sie in einem Bildband.

Wie die Sprache lebt auch die Schrift, laufend werden neue Schriften entwickelt. Reich werden die Schriftdesigner nicht. Schriften lassen sich schlecht schützen, weil sie von den Gerichten meist als Allgemeingut betrachtet werden. Und der kaum durchsetzbare Schutz drückt auf den Preis.

Bücher zum Thema:
Die Schriftentwicklung
von Hans Eduard Meier; Syndor Press
Der Mensch und seine Zeichen 
ISBN 3-925037-39-X  von Adrian Frutiger; Dreieich-Verlag
Wie man´s liest
  ISBN 3-87439-618-5  von Gerard Unger, Verlag Schmidt, Mainz
Helvetia - Homage to a Typeface von Lars Müller
Schriftwechsel  ISBN 978-3-87439-746-9  von Stephanie + Ralf de Jong, Verlag Schmidt, Mainz
Bleiwüste  ISBN 978-3-7212-0704-1  von Pascal Schöning, Niggli AG
Buch der Schriften ISBN 3-86539-045-5  von Adrian Frutiger, marixverlag
Schriftgestalten ISBN 978-3-72120-653-1  von Tino Graß, Niggli AG
Grafi und Gestaltung ISBN 978-3-83621-437-7  von Claudia Runk, Galileo Design

Film zum Thema:
Helvetica - Dokumentarfilm des Engländers Gary Hustwit. Dauer: 80 Minuten

 

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