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SCHAUFENSTERPUPPEN

Vorlage bei der Herstellung von Schaufensterpuppen sind fast immer "echte Menschen" Die Köpfe der Puppen werden aus Gesichtsabdrücken von Fotomodellen hergestellt. Der Körper der Puppe ist oftmals einheitlich, um immer eine Konfektionsgröße verwenden zu können. So haben alle hier gezeigten Modelle ihr lebendes Original. Die Dekorateure verwenden fast immer nur wenige Puppenmodelle, die dann unterschiedlich geschminkt werden und verschiede Perücken aufgesetzt bekommen. Der Betrachter merkt kaum, dass es sich oftmals um die gleichen Puppen handelt.
Heute  werden Puppen meist nach folgendem Schema hergestellt:
  • Bildhauer fertigen ein erstes Modell aus Gips oder Ton an
  • bei Bedarf Korrekturen vornehmen
  • Formen der Körperteile (Rumpf, Arme, Beine, Hände,...  ) herstellen
  • die Formen mit Polyurethan ausgießen [PUR wird als PU-Schaum für die Abdichtung von Fensterrahmen, als Styropor zur Wärmeisolierung, zur Trittschalldämmung, zur Stoßdämpfung beim Transport empfindlicher Waren, .... verwendet]
  • die Körperteile in der gewünschten Hautfarbe lackieren
  • Perücke anfertigen
  • Make-up und Augenfarbe anbringen
  • Figur zusammensetzen
 

Bild 1 Bild 2 Bild 3 Bild 4 Bild 5

Ganz links sitzt PAUL Bild 1. Ein 186 cm großer Edelkörper mit einem Brustumfang von 97 cm, 76 cm Taille und einer 91-Zentimeter-Hüfte. Um mickrige 400 Euro kann man den Kollegen erstehen. Sein Gegenstück, die beinlose und daher nur 102 cm große LAURA kostet inklusive Perücke 390 Euro. Sie wirkt etwas unterernährt, ihre Oberweite misst flache 80 cm, die Taille 60 cm und hüftmäßig kann sie mit 84,5 cm auch nicht besonders auftrumpfen. Kein Bild

Sein Nachbar, der transparente JMA-5B Bild 2, vom taiwanesischen Hersteller Nu Body  www.nubody.com.tw  misst ebenfalls 186 cm, ist aber mit einer 100 cm Brust, 83 Taille und der 97er Hüfte noch beeindruckender. Im selben Haus entsteht auch JLN-05 Bild 3, sie besitzt mit einer Höhe von 180 cm Gardemaß. Eine Oberweite von 87,5 cm "passt" zur 87-cm-Hüfte und der Idealtaille von 60,5 cm. Das Modell JSL-2G präsentiert auf der Euroshop 2008 legte in allen Belangen noch ein wenig zu.

Mit futuristischen Gesichtszügen zeigt sich die Glanzkörperpuppe von Manichini Bild 4. www.kingmanichini.it
Sehr fraulich wirkt ELLE
Bild 5 vom dänischen Produzenten Hindsgaulwww.hindsgaul.com  Sie ist 180 cm groß mit 88 cm Brustumfang, die gut zum Hüftmaß von 93 cm und der wirklichkeitsnahen 68-cm-Taille passen. Erinnert in Aussehen und  Körperhaltung an Bilder von Helmut Newton.
 

Bild MOCH

Das deutsche Unternehmen Moch - gegründet 1907 - ist der älteste Hersteller von Schaufensterfiguren. In seinem Sortiment ist auch das "Normale" vertreten. Das Modell 468 (Bild links) entspricht der am häufigsten getragenen Konfektionsgröße 42/44.
Auf der Website  www.mochfiguren.de  gibt es in der Rubrik Sonderposten preisgünstige Auslaufmodelle aus eigener Produktion, Fremdmodelle und gebrauchte Puppen.

Die Produktlinien KLASSIK, TREND und UNDERGROUND decken alle Marktströmungen ab.
Wer sich neue Puppen nicht leisten kann oder von alten nicht trennen will, kann sie bei Moch reparieren und mit einem frischen Make Up versehen lassen. Will man einem alten Torso einen modernen Kopf verpassen, sucht man sich einen aus. Vielleicht den Kopf Claire? Der sitzt im (Bild links) auf dem Torso 468.

 

Schaufensterpuppen im Lauf der Zeit

Der Weg zum Schneider schien den reichen Damen zu mühsam, daher schickten sie stellvertretend einen Torso mit ihren Maßen. An diesen Modellen aus Weidengeflecht konnte der Meister dann die Kleider immer wieder anpro-bieren. Das war Ende des 18. Jahrhunderts. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Vorfahren der heutigen Schaufensterpuppen. Noch kopflos, aus Pappmachee, Holz, Eisen oder Gips.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert kam der Kopf ins Spiel. Es entstanden große Warenhäuser, die Konfektions-Bekleidung von der Stange anboten. Die Schaufenster wurden immer größer und besser beleuchtet und waren das Ziel des Stadtbummels, ja eigentlicher gesellschaftlicher Treffpunkt. Um das Ausgestellte auch an die Dame und den Herrn zu bringen, musste die Schaufensterpuppe - im Fachjargon Mannequin genannt - ein möglichst schmeichelhaftes Abbild der potenziellen Käuferschaft darstellen. Kopf, Décolleté und Arme wurden laufend perfektioniert, und schließlich erhielt die Rumpffrau sogar Beine. Die Gesichtszüge der Wachsmannequins waren vornehm und gepflegt. Während ein Lächeln das Gesicht der Frauen erhellte, zeigten sich die männlichen Mannequins männlich: mit steinerner Mimik.

Die Schaufenster wurden mit immer stärkeren Scheinwerfern ausgeleuchtet, was die Gesichtszüge der Wachsköpfe in unerwünschte Bewegung brachte. Carnesine, eine Mischung aus Gips und Gelatine, weich und hitzebeständiger, ersetzte ab 1922 das Wachs, wurde aber nur wenige Jahre später vom heute noch verwendeten, robusten Kunststoff verdrängt.


In den
fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Puppen den Filmstars nach gebildet. Anna Magnani, Silvana Mangano, Gina Lollobrigida. Grosse Augen, volle Lippen, lange Beine, üppige Kurven. Nie zuvor war die Schaufensterpuppe so vollbusig gewesen. Die Männer waren sportliche Strand-Tarzans mit leicht unordentlichem Haar oder aber gut frisierte, smarte Herren, ebenfalls mit der Statur eines Gorillas.                                                                                         
Bilder rechts NETSCHOOL

Hamburger Schaufenster, 2006     Hamburger Schaufenster 2006
Spitze Näschen -  toll geschminkt


1966
erregte die erste Kollektion Adel Rootsteins 
www.rootstein.com  Aufsehen. Dünne, ja magere Bohnenstangen wie das Fotomodell Twiggy und das barfüssige Schlagersternchen Sandie Shaw brachten das Klappergestell in Mode. Von da war der Schritt zu den «Außerirdischen» nicht mehr weit. Diese neuen Mannequins, die 1970 erstmals auftauchten, waren glatte Kreaturen mit eiförmigem Schädel und angedeuteten Gesichtszügen, Katzenaugen, spitzen Ohren, den Mund weit zu einem Schrei geöffnet. Sie brauchten weder Perücken noch Schminke. Ihnen genügte ein simpler Farbanstrich.

 

Mittlerweile tummelt sich in den Schaufenstern alles Mögliche: der Fitnessboom und die postmoderne Idealisierung des Körpers haben sich ebenso ihre Puppen geschaffen (siehe Freund PAUL, oben) wie Ökologie (Mannequins aus Wellpappe) und neue «Nüchternheit»: Plexiglas-Puppen, bei denen nichts, aber auch gar nichts vom Kleid ablenkt.
In den neunziger Jahren begann sich ein Trend immer stärker durchzusetzen, der bis heute anhält, die Kopflosigkeit. Immer mehr Schaufensterpuppen haben ihren Kopf verloren. Angenehmer Nebeneffekt: Torsi sind billiger.
Kalt aber schön ist die Modellreihe Industry Collection von
Hans Boodt 
www.hansboodt.nl  in den Farben silber, gold und blau. Bild links BOOLDT

 

Beim litauischen Puppenhersteller IDW (International Display Works) kann man neben konfektionierten Modellen auch individuelle Gesichter (Mindestbestellmenge 100 Stück) bzw. Figuren (Mindestbestellmenge: 200 Stück) zu günstigen Preisen ordern.
Kopflose Figuren kosten zwischen 280 und 380 €, abstrakte 350 bis 480, realistische 500 bis 600 Euro. Preise 12/07  Bild: IDW
Für Kunden, die Kleidung aus ihrem Sortiment schicken, können den Kleidermaßen angepasste Puppen produzierte werden. Dann muss beim Dekorieren die Ware nicht gerafft und abgesteckt werden.
Die Puppenelemente (Arme, Beine, Torso, ..) werden in Metallformen erzeugt. Material: Polystyrol.

 

Meist hat jedoch der Schönheitstrend das letzte Wort - und der ist so schnelllebig, dass er den weltweit 200 Mannequin-Herstellern bei Produktionszeiten von rund sechs Monaten und bis zu 1300 Euro Kosten pro Puppe leicht zum Verhängnis werden kann. Derzeit geht der Trend nicht nur in Richtung schlank und sportlich. Auch nach feisten Silhouetten, Dimension XXL (Bild links) und alten Gesichtern verlangt der Markt. Der Anteil fettleibiger Konsumenten wächst ebenso rasch, wie jener der Gruppe 50+.  Auf der Fachmesse EuroShop, die jedes Jahr im Februar in Düsseldorf stattfindet und der Kopenhagener CIFF im August, zeigen die wichtigsten Anbieter ihre neuen Modelle.
Bild: eurodisplay

  

Geschminkt und hübsch anzusehen sind die beiden Puppengesichter, die wir im  Züricher Kaufhaus JELMOLI aufgenommen haben. Die Puppenkörper hatten schon mehrere Jahre Deko-Dienste geleistet. Sie wiesen Schrammen und Kratzer auf. Das passte so gar nicht in das noble Umfeld: JELMOLI liegt in unmittelbarer Nähe der teuersten Einkaufsstraße der Stadt, der Bahnhofstraße.

Im Hintergrund weist ein gelbes Schild auf die BLINKPREISE hin. Wer dazu nähere Informationen möchte, klicke auf den Hyperlink.

Bilder: NETSCHOOL

 

Es würde zwar keinem Unternehmer einfallen, unmoderne oder beschädigte Ware in sein Schaufenster zu stellen, bei den Warenträgern haben manche weniger Bedenken. In Puppen zu investieren scheint eine unnütze Ausgabe, daher finden sich viele mit fünfzig und mehr Jahren auf dem Buckel, mit zer-kratzten Gesichtern, beschädigten Nasen und Ohren, abgebrochene Fingern, ...

Wie lange ein Modell schon auf dem Markt ist, lässt sich gut am Puppenkopf beurteilen; sofern er nicht gegen einen aktuellen getauscht wurde.

Kopfparade, fotografiert in Berlin:
Das glatzköpfige Geschöpf trug eine elegante schwarze Kombination, der Herr mit dem markanten Kinn Mode von Rene Lezard, der blonde Kollege mit den vollen Lippen war in Sachen Jeans unterwegs und die Dame mit der steifen Welle präsentierte schönes Leinen.

                                                                                                                                                     Bilder: NETSCHOOL

Berlin  04/2006  Berlin  04/2006

  Berlin  04/2006          Berlin  04/2006

 

In Wien trafen wir auf eine bunte Mischung - na ja, richtig bunt war sie eigentlich nicht:
Stark skalpiert Bild 1; edel und minimalistisch, die Augenhöhlen nur angedeutet Bild 2 + 3; ungeschminkt und ohne Perücke, die Frisur - sofern vorgesehen - nur in Umrissen Bild 3-6; auf ein schwarzes Modell folgt ein extrem bleiches mit diversen Verletzungen, das ebenso leicht angejahrt war, wie die Dame mit den sinnlich geöffneten Lippen und ein zufriedenes Bärtchen Bild 7-12.


Wien 3. Landstraßer Hauptstraße, 1/2007       
Don Gil, Wien 2006    Modehaus Fuernkranz - Wien   April 2006    Xanadu, Wien   April 2006    Teller - Wien 3., 1/2007
Sir Anthony, Wien 2006    Turek, Wien   April 2006    Rieger, Wien   April 2006    Balina, Ball- und Hochzeitskleider,  Wien   April 2006    Teller - Wien 3., 1/2007    Puppenkopf, Hämmerle 1060 Wien

Bilder: NETSCHOOL

 

In die Kollektion 2008 nahm nubody eine Vollweibpuppe ins Sortiment: JSL-2G. 182 cm groß, mit 102 cm Oberweite, einer 64,5 cm  schlanken Taille und einer weiblichen 92,5 cm Hüfte. Bilder NUBODY
Aber auch die konturarmen weiblichen Puppenkörper fanden ihre Interessenten. ( Modelle „Garbo“ und „Donna“ von MD STUDIO www.mdstudio.it).
Bilder MDSTUDIO
 

 

 

JSL-2G

Garbo Donna  
Detailreich ausgearbeitete Modelle produziert das italienische Unternehmen ALMAXwww.almaxspa.com  Besuchen Sie  den schönen David (New David), den alternativen Alec und ihre Kollegen. Liefert in Ö. z. B. an die Kette DON GIL.

 

Die Preise für Schaufensterpuppen bewegen sich in einem Band zwischen 200,-  und mehr als 2.000,- Euro.
Werden mehrere Puppen benötigt, lohnt sich ein Blick auf die Websites von Anbietern neuwertiger, gebrauchter Puppen ( http://www.traumpuppe.de  http://displaymannequin.nl http://www.schaufensterpuppen.org/ ...) und von Deko-Verleihern
(http://www.dekoverleih-und-beschriftung.de/  http://www.memo-media.at  http://www.schaufensterpuppe.at/vermietung.html, ...)

Wichtigste Messe für Ladeneinrichtung, Verkaufen und Werben ist die jährlich in Düsseldorf stattfindende EuroShop http://www.messe-duesseldorf.de/euroshop.html

 

Umzüge:


Chanel - Wien / Kohlmarkt     Fürnkranz - Wien, Kärntnerstraße     Balina, Braut- und Ballkleider; Wien     Peek; Berlin 2006     Hämmerle - Wien 7., Mariahilfer Straße 12/2006

Bilder: NETSCHOOL

 

Film zum Thema: Mannequin (nicht unbedingt eine cineastische Meisterleistung aber der einzige, bei dem eine Schaufensterpuppe die Hauptrolle spielt)

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