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D U F T M A R K E T I N G

Der Duft der Kindervorstellung im nahen Kino war WALD. Genauer: NADELWALD.
Nicht von Beginn an. Nach 40, 50 Minuten. Sobald es ausreichend stank.
Dann unterbrach der Billeteur seine Pause, füllte die Flit-Spritze mit Nadelwald-Essenz, schritt flott durch den Zuschauerraum, pumpte, bis der Druck hoch genug war, um dann die zerstäubte Flüssigkeit in Richtung Decke zu sprühen. Von dort sank der Wald in kleinen Tröpfchen langsam auf unsere Köpfe.
Und unser Gestank wurde durch einen ersetzt, der Duft hieß.
Seither denke ich im Wald an Kino. Im Kino sowieso.

Herr Süskind hat in Sachen Duftsteuerung ziemlich hoch gegriffen.
Essenzerzeuger und Duftmarketer müssen vorsichtiger agieren. Sonst haben die Kunden ihrer Kunden schnell die Nase voll.

Die Bäckerei braucht kein Duftmanagement - der Bäcker vielleicht schon -, das Kaffeehaus, die Drogerie, der Ausstellungsraum im Autohandel nicht, dort erwartet man den Geruch des Produkts. Andere Düfte stören, lenken ab.

Shop-in-Shop-Läden können sich über den Duft abgrenzen, ihre Identität unterstreichen.
Ein Sportgeschäft, das den strengen Geruch verschwitzter Sportler verströmt, ist identisch. Aber leer. Leichte Düfte nach Zitrusfrüchten oder Minze kommen besser an.     Bilder unten:
Zitrone  Minze

Minze

India-Shops setzen in ihren Verkaufsräumen Düfte besonders großzügig ein. Abbrennende Räucherstäbchen, Patschuliöl und die bei der Verbrennung eines Produktes, das zwar Gras heißt, aber keines ist, anfallenden Abgase, erfüllen die Kunden mit Friedfertigkeit.

Pfeffrige Noten und maskuline Gerüche passen zu Herrenausstattern und Schuhhändlern.
Weihnachtsbäckerei ohne Lebkuchengewürz, Zimt, Nelke? Da fehlt es an Geschmack UND Geruch.
Der Duftbaum im Auto. Ein Klassiker zum Abgewöhnen.
Das Deo, der Freund jeder Achselhöhle.

Vergleichbar mit Farben (siehe Zigarettenpackungen) werden auch Düfte regional unterschiedlich assoziiert und bewertet. Extremstes Beispiel ist das Aroma reifer Käse.

Gerüche lassen sich nicht lokal begrenzen. Die Belüftungsanlage sorgt für allgegenwärtigen Orangenduft. Im gesamten Supermarkt; der Drogerieabteilung, dem Fleischbereich, dem Kuchengang, ... .
Testpersonen haben sich in bedufteten Märkten länger aufgehalten. Einflüsse auf das Kaufverhalten wurden noch nicht untersucht bzw. nicht veröffentlicht.      Bilder unten:
Zitronenmelisse  Orange

Zitronenmelisse
 

Es geht ums Erinnern. Was war, als ein bestimmter Duft erstmals wahrgenommen wurde. Eine erfreuliche Situation oder eine unangenehme? Sie "besetzt" den Duft für immer. Meint die Wissenschaft.

Frisch gewaschene Wäsche riecht ganz spezifisch, nur kennt kaum jemand diesen Duft, da fast alle Waschmittel parfümiert sind. Persil bereits seit rund 100 Jahren.
Nicht nur Waschmittel, Weichspüler, WC-Reiniger, Geschirrspülmittel, ... lässt man duften. Es gibt duftende Plakate, Papiertaschentücher, aromatisierte Lebensmittel, Inserate,
City-Lights  und Kundenkarten.

Wien-Tourismus hat im November 2010 im Rahmen ein Wien-Kampagne in einer Station der Bukarester U-Bahn aus zwei City-Light-Leuchtsäulen Kaffeeduft verströmen lassen.

Im Real Future-Store in Tönisvorst (Nordrhein-Westfalen) testet die Metro Group -gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Handel - seit 2008 den Supermarkt der Zukunft. Düfte inklusive. Der "Fischmarkt" empfängt die Kunden mit Meeresrauschen und Limonenduft.

Die Dosierung:
Schwierige Sache. Gerade so hoch, dass der Geruch eher beiläufig wahrgenommen wird. Hier spielt auch die Raumtemperatur, der Eigengeruch der Ware(n), andere Fremdgerüche und die Wechselwirkung mit diesen eine Rolle.

Die Rohstoffe:
Ätherische Öle aus natürlichen Grundstoffen oder aus Synthesen.

Die Technik:
Abhängig von den Lösungsmitteln bzw. den physikalischen Eigenschaften der Duftsubstanzen können die Duftstoffe bei Raumtemperatur (Kaltverdunstung) oder durch Erwärmung in den gasförmigen Zustand übertreten. Zu starke  Erwärmung führt zu einem Umbau des Duftmoleküls und damit zu einer Geruchsveränderung bzw. sogar zu einer Gesundheitsgefährdung.

Die Leistungsanforderung an die Beduftungsgeräte richten sich nach der Kubatur der Räumlichkeiten.
Handelt es sich um Gebäude oder Verkaufshallen, wird in das Belüftungssystem ein Beduftungsgerät integriert, das dem Luftstrom eine individuell einstellbare Menge an Duft zusetzt. Die Kapazität dieser Geräteklasse reicht für ein paar tausend Kubikmeter Raumvolumen.

Standgeräte oder Geräte für die Wandmontage finden in Räumen bis etwa 600 m³ Verwendung.

Details und Preise auf den Webseiten der Anbieter:
 

www.duftmarketing.at www.sensarama.at

 

Buch + Film zum Thema:
Das Parfum Patrick Süskind
Der Duft der Frauen
Giovanni Arpino

Film zum Thema:
Life stinks Mel Brooks

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