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Um den Kopf weht eine Brise / Von besonnter Luft und Wiese, / dividiert durch viel Benzin.                       ERICH KÄSTNER

ENERGIEPOLITIK


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Weltweites Energieaufkommen lt. IAEA 1. 1. 2011
Fossile Energie: 67,5 %
Wasserkraft: 16,2 %
Kernenergie:13,5 %
Erneuerbare Energieformen: 2,8 %
Andere: 2,0 %
Weltweiter Energieverbrauch 2010  lt. BP - World Energy Report
Erdöl: 34 % + Erdgas: 24 % + Kohle: 30 %
Wasserkraft: 6 %
Kernenergie: 5 %
Erneuerbare Energieformen: 1 %
Andere:
-

 

Beginnen wir klein. Und daher daheim. Im Nordosten Österreichs, im Weinviertel.
Dort erstrecken sich unter Weinbergen, Äckern und Wiesen große Öl- und Erdgasfelder. Ab 1942 wurde in diesem Gebiet mehr als die Hälfte der Erdölproduktion des "Großdeutschen Reiches" gefördert. Nach dem Krieg war das Weinviertel zehn Jahre lang sowjetische Besatzungszone. Zehn Millionen Tonnen Erdöl hatten die Russen in diesem Zeitraum gewonnen, noch einmal soviel ließen sich die Russen als Ablöse für die Unterzeichnung des Staatsvertrag zusichern. Bis zur letzten Lieferung (1963) haben sie sich allerdings mit insgesamt 6,5 Millionen Tonnen beschieden.

Mess- und Handelseinheiten: 1 Barrel = 159 Liter      1 Tonne = 7,33 Barrel = 1.160 Liter = 1,16 m³
 

Knapp1 Mio. t (2010: 965.112 t; inkl. 89.000 t NLG), 9 % des österreichischen Bedarfs, werden derzeit jährlich gefördert, die Vorräte (1. 1. 11: 12,3 Mio. t) wären in 10 Jahren aufgebraucht, jedoch verlängern verbesserte Fördermethoden die Nutzungsdauer. Ein Barrel Weinviertler Erdöl kostet die OMV 11 US$. In diesem Preis sind die Förderkosten, Abschreibungen und der an die Republik abzuliefernde Förderzins enthalten.

90 % des in Ö. gewonnenen Erdöls werden von der OMV gefördert. 

Das seit 1949 genutzte "Feld Matzen" (Niederösterreich) ist das größte Ölfeld Kontinentaleuropas. Durch die ständige Weiterentwicklung der Fördertechniken liefert es auch heute noch aus 244 Lagerstätten Erdöl.
Von den ursprünglich vorhandenen 500 Millionen Barrel sind heute noch 350 Millionen vorhanden. Damit ist die nach herkömmlichen Methoden förderbare Menge von einem Drittel des Vorkommens fast erreicht. Dank innovativer Fördertechniken rechnet die OMV eine Lagerstätte zu 45 % ausbeuten. Das bedeutet, weitere 25 Jahre Förderbetrieb.
Von 10 Aufschlussbohrungen nach Öl oder Gas sind bei der OMV 5 bis 7 erfolgreich, die hauptsächlich Gas fördernde RAG (im Besitz von EVN, E.ON + Ruhrgas, Salzburg AG) brachte 2008 14 Aufschlussbohrungen nieder, davon wurden 11 Bohrungen abgeschlossen. Vier Bohrungen wurden fündig (4x Gas, 2x Öl, 1x Öl+Gas).
 

in Mio. €

RAG

OMV AG

  2008 2009 2010 2011 2012 2013 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Umsatzerlöse 368 275 339       25.542 17.917 23.323      
Betriebserfolg 136 67 105       2.339 1.409 2.334      
Jahresüberschuss 108 49 80       1.528 716 1.214      
Bilanzgewinn 87 40 64         572 921      

Österreichs Rohöleinfuhren in Millionen Tonnen

1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
6,19 7,51 8,26 7,68 7,31 7,86 8,29 7,82 7,56 7,84 7,69 7,60 7,94  7,43  6,77

 

Die wichtigsten Erdöllieferanten -

Österreichs in Mio. t

Deutschlands in Mio. t

 1990

2005

2008

2009

2008

2009

2010

Algerien 1,5 Russland 2,2 Kasachstan 2,0 Kasachstan 2,8 Russland 33,6 34,6 33,9
Libyen 1,3 Kasachstan 1,6 Irak 1,5 Irak 1,2 Norwegen 16,0 13,8 8,8
Nigeria 1,0 Nigeria 1,2 Algerien 1,2 Libyen 1,1 Großbritannien 13,9 10,4 13,1
Sowjetunion 0,7 Saudi Arabien 1,1 Libyen 0,8 Nigeria 0,5 Libyen Kasachst. 10,4 8,3 8,1

 Quellen: Statistik Austria, Fachverband der Mineralölindustrie Österreichs , ÖMV, Mineralölwirtschaftsverband www.mwv.de

 
2007 importierte
  • Ö 7,6 Mio. t  Rohöl aus 16 Staaten und 7,1 Mio. t  Fertigprodukte (hauptsächlich Benzin und Diesel)
  • D 106,7 Mio. t  Rohöl und 28,6 Mio. t  Fertigprodukte
  • CH 11,4 Mio. t  Rohöl

2008 importierte

  • Ö 7,9 Mio. t  Rohöl aus 16 Staaten und 6,7 Mio. t  Fertigprodukte (Benzin,  Diesel, Heizöl, Bitumen)
  • D 105,2 Mio. t  Rohöl und  34,6 Mio. t  Fertigprodukte
  • CH 12,2 Mio. t  Rohöl + Fertigprodukte

2009 importierte

  • Ö 7,4 Mio. t  Rohöl aus 16 Staaten und 6,5 Mio. t  Fertigprodukte aus D, I, SK (Benzin, Diesel, Heizöl, ...)
  • D 98,1 Mio. t  Rohöl und 32,7 Mio. t  Fertigprodukte
  • CH 11,7 Mio. t  Rohöl

2010 importierte

  • Ö 6,77 Mio. t  Rohöl aus 16 Staaten und 6,9 Mio. t  Fertigprodukte aus D, I, SK (Benzin, Diesel, Heizöl, ...)
  • D 93 Mio. t  Rohöl  und  35,3 Mio. t  Fertigprodukte
  • CH 12 Mio. t  Rohöl (davon 75 % aus Aserbeidschan)

 

Wie im Kleinen, so im Großen: Politische und militärische Auseinandersetzungen haben auch immer wirtschaftliche Interessen als Auslöser oder Hintergrund. Das Ziel des Afrikafeldzugs der Achsenmächte war das Erreichen der arabischen Ölfelder und des Suezkanals.

Sicherung der Transportwege und ungehinderter Zugriff auf die Energievorräte des Nahen Ostens sind in den letzten Jahrzehnten wichtige politische Ziele der westlichen Industrienationen. Ein kleiner Krieg scheint da allemal vertretbar. Siehe Golfkrieg.

 

Das einzige, über einen längeren Zeitraum halbwegs funktionierende Rohstoffkartell ist die OPEC. Zwei Drittel des international gehandelten Erdöls kommen aus den OPEC-Staaten. Ihr Anteil an den weltweiten Ölreserven beträgt sogar 70 %.

Die OPEC wurde am 14. September 1960 in Bagdad (Irak) von fünf Staaten (Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela) gegründet.

Bis September 1965 war ihr Sitz in Genf, danach und bis heute in Wien. [Die Jahresmiete der OPEC-Residenz beträgt 1,8 Mio. € und wird je zur Hälfte von der Gemeinde Wien und der Republik getragen. Stand 2009]
Die Zielsetzung lautet:
  • Koordinierung der Erdölpolitik in den Förderstaaten
  • Stabilisierung der Weltmarktpreise durch Regulierung der Fördermengen
  • "faire Erträge" für Investoren in die Erdölindustrie

In den letzten Jahren haben einzelne OPEC-Mitglieder versucht, durch Androhung einer Reduzierung der Fördermengen politische Ziele durchzusetzen.
Das klappt nicht immer, weil es einigen Mitgliedern an der Förderdisziplin mangelt. Besonders locker nehmen es Venezuela und der Iran. Libyen, Algerien und Ecuador halten ihre Förderquoten eher nur verbal ein; Nigeria  und Angola sind froh, wenn sie es schaffen, die ihnen erlaubten Mengen zu fördern. Für den Irak sind keine Quoten festgelegt.
Mitgliedstaaten
sind derzeit Algerien, Indonesien¹, Irak, Iran, Katar, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Venezuela und Angola
(seit 1. 1. 2007)
In halbjährlichen Abständen hält die OPEC eine Konferenz ab, an der die Erdöl- und Finanzminister der Mitgliedstaaten teilnehmen. Dabei gefasste - oder ausbleibende - Beschlüsse haben unmittelbare Auswirkungen auf den Erdölpreis. Dieser wird übrigens in US-Dollar pro Tonne oder Barrel (Fass mit 159 Liter) angegeben.
Die OPEC-Staaten produzieren zusammen  41,2 % des weltweit geförderten Erdöls
und verfügen über 70 % (129.754 Mio. t) der Weltreserven. (Stand 1. 1. 10).

Europa bezieht 38 % seines Erdöls aus OPEC-Staaten. Stand 1/2011

Bei einer Blockade folgender Seewege fallen pro Tag ... Prozent des Weltölhandels aus:

  • Straße von Hormuz   15 %
  • Straße von Malakka   13 %
  • Bab el Mandeb (Golf von Aden)  3 %
  • Bosporus 3 %
  • Suezkanal 2 %
  • Panamakanal 1 %

¹Anfang 2005 wurde Indonesien Erdölimportland und verließ im Juni 2009 die OPEC.

Multinational Konzerne haben sich die Erdöl-Förderrechte in den wichtigsten Förderstaaten gesichert. Dafür müssen sie Förderzins bezahlen, der die Haupteinnahmequelle des Staatshaushalts der OPEC-Mitglieder darstellt.

1966 bezifferte die Firma Shell die globalen Erdölreserven mit 48 Milliarden Tonnen. Hätte diese Zahl gestimmt, gäbe es seit 20 Jahren kein Erdöl. 

2009 betrug der Jahres- Weltbedarf 3,82 Mrd. Tonnen (2008: 3,93 Mrd. Tonnen). Laufend werden neue Vorkommen entdeckt, so dass derzeitige Prognosen von Vorräten bis mindestens 2055 sprechen  - vorausgesetzt, es werden keine zusätzlichen Lagerstätten entdeckt und der Verbrauch bleibt auf gleichem Niveau.

Die bestätigten, wirtschaftlich gewinnbaren Ölreserven betrugen zum  31. 12. 09 185 Mrd. t.
Bei unverändertem Weltverbrauch reicht diese Menge noch für 46 Jahre sollte. Mineralölbericht 2009

Im Jahr 2010 stiegen die globalen Erdölreserven um 8,5 %. Die größte Zunahme - +113 % - verzeichnete Venezuela. Damit besitzt es hinter Saudi Arabien die zweitgrößten Vorkommen.
Wenn Saudi Arabien die aktuelle Produktionsmenge beibehält, reichen seine Reserven noch 80 Jahre, ohne dass eine neue Quelle angezapft werden müsste.  Oil & Gas Journal   Feb. 2011

Aber wer weiß schon, wie die Welt in 50 Jahren aussehen wird und was die Technik bis dahin ermöglicht.
Wobei, es gibt auch Stimmen, welche die Erdölzukunft ganz anders sehen. Colin Campell, ein Geologe, der für BP und Amoco Erdölfelder erschlossen hat, ist eine davon. Seiner Meinung nach wird die Erdölförderung 2010 den absoluten Höhepunkt erreichen, dann wird die Hälfte aller Erdölvorkommen verbraucht sein. Der Bedarf wird jedoch weiterhin steigen.
 
Großen Einfluss auf die zeitliche Reichweite der Versorgung mit Erdöl werden die ständigen Verbesserungen der Fördertechniken haben. Häufig verbleiben aus technischen Gründen mehr als die Hälfte des Vorkommens in der Lagerstätte. Könnte die Ausbeute auf 60 % erhöht werden würde das den Zeithorizont um einige Jahre verlängern. Auch ohne Entdeckung neuer Lagerstätten.

Die größten Erdölreserven der Welt lagern in Saudi Arabien 264 Mrd. Fass, im Iran 137 Mrd. Fass, im Irak 115 Mrd. Fass, in Kuwait 101 Mrd. Fass und in den VAE 98 Mrd. Fass. Dann folgen Venezuela 87 Mrd. Fass, Russland 80 Mrd. Fass, Libyen 41 Mrd. Fass, Kasachstan 40 Mrd. Fass und Nigeria 36 Mrd. Fass. Quelle: BP Statistical Review 2008

Das CIA World Factbook (https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/) veröffentlichte im Frühjahr 2011 eine Reihung der Staaten mit den größten Ölreserven (inkl. Ölschiefervorkommen) und bezifferte deren Wert, wobei man von einem Preis von 112 $ je Barrel ausging:

 

STAAT VORRÄTE
in Mrd. Barrel
LAGERWERT
in Bio. $
STAAT VORRÄTE
in Mrd. Barrel
LAGERWERT
in Bio. $
Saudi Arabien 264,6 29,75 Lybien 47,0 5,3
Kanada 175,2 19,70 Nigeria 37,5 4,2
Iran 175,2 19,70 Kasachstan 30,0 3,4
Irak 115,0 12,90 Qatar 25,4 2,9
Kuwait 104,0 11,70 China 20,3 2,3
VAR 97,8 11,00 USA 19,1* 2,1
Venezuela 97,7 11,00 Angola 13,5 1,5
Russland 74,2 8,30      

 

*Das US-Energieministerium beziffert die Öl-Vorkommen (in Schiefergestein) mit 6 Bio. Tonnen wovon 1,5 Bio. t bis 2 Bio. t wirtschaftlich nutzbar sind. Damit betragen die US-Vorräte ein Fünffaches jener von Saudi Arabien!
 
Im
Juli 2011 lieferte die OPEC ihre Version der Staaten mit den größten Erdölreserven (ohne Ölschiefer):

 

STAAT VORRÄTE
in Mrd. Barrel
STAAT VORRÄTE
in Mrd. Barrel
STAAT VORRÄTE
in Mrd. Barrel
Venezuela 296,5 Qatar 25,4 Aserbaidschan 7,0
Saudi Arabien 264,6 USA 19,1 Sudan 6,7
Iran 151,2 China 18,0 Indien 5,8
Irak 143,1 Brasilien 12,8 Malaysia 5,5
Kuwait 101,5 Algerien 12,2 Oman 5,5
Russland 79,4 Mexiko 11,7 Kanada 4,9
Libyen 47,0 Angola 9,5 Vietnam 4,7
Kasachstan 39,8 Ecuador 7,2 Ägypten 4,4
Nigeria 37,2 Norwegen 7,0

Australien

4,1

 

Nach der ersten Ölkrise 1973/74, als eine Liefersperre der OPEC-Staaten den Rohölpreis auf das Dreifache steigen ließ (nach heutigem Wert auf 45 $ pro Fass), blieb der Preis lange Zeit auf diesem Niveau. Die islamische Revolution in Iran und der iranisch/irakische Krieg führten zu einem neuerlichen großen Preissprung. Nach heutiger Kaufkraft mussten pro Fass 90 US Dollar bezahlt werden. Hatten wir 2006 fast erreicht.
Am 21. November 2007 überschritt der WTI-Preis erstmals die 99-Dollar-Marke - 1 Fass WTI kostete 99,29 US Dollar (1,48 $ = 1 €), während des 2. Jänner 2008 kurzfristig die 100-Dollar-Marke (1,47 $ = 1 €, 1£ = 1,98 $)
Die NZZ schrieb am 22. November:
Im April 1980 kostete das Fass $ 39,50, was gemäß Cambridge Energy Research Associates einem heutigen Preis von $ 99,04 entspricht. Die International Energy Agency hingegen errechnet einen teuerungsbereinigten Rekordpreis von 101,70.
Dazu kommt noch die gegenüber dem Dollar sehr günstige Wechselkursentwicklung des Euro. Inflation + Eurokurssteigerung berücksichtigt kostete 1 Barrel Brent 1985 knapp über 30 € und im Oktober 2007 25 €.
 
In der Tabelle sind die Preisspitzen bis 2000 im Fünf-Jahresrhythmus danach für jedes Jahr, bzw. in der letzten Spalte der bisher erreichte Tages-Höchstpreis des laufenden Jahres angeführt:

Rohölpreis in US-$ / Barrel Sorte: Brent

                          147        
                                   
                                122  
                        96     94   115
                                   
                                   
                      79     80      
                                   
66              
               
51                
               
               
35                
                 
                 
  25 25                
                     
                     
   

15

                 
10                          
                           
2                            
                                 
1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012

   Allzeit-Höchststand am 11. Juli 2008: 147,50 $

 

Die Barrel-Preise dreier Ölsorten notieren an den Ölbörsen:
  • West Texas Intermediate (WTI), das qualitativ beste Erdöl, erzielt lange Zeit die höchsten Preise. Es ist besonders schwefelarm, wird nur in den USA gehandelt (Börse: New York - NYMEX) und ist daher für den europäischen Markt völlig bedeutungslos. Dennoch argumentierten die Ölkonzerne ihre Preisgestaltung in Europa - sobald es ihnen einen Vorteil brachte - mit dem WTI-Preis.
    Allzeithöchst (Börsenschluss) am 11. 7. 2008 mit 147,27
    $.      Stand 15. 9. 08 95,72 $           Stand   7. 2. 12  98,55 $*
     
  • Das in der Nordsee geförderte Brent (Handelsplatz Londoner Börse - ICE) notiert  - ohne dessen Qualität zu erreichen - mehr oder weniger knapp über dem Preis der Sorte WTI.
    Im September 2010 ist Brent teurer als WTI. Am 31. 1. 2011 kostete der Märzkontrakt 101 $ und lag damit um gut 12 $ über dem Preis von WTI.
    Allzeithöchst (Börsenschluss) am 11. 7. 2008 mit 147,50 $.      Stand 15. 9. 08 92,60 $           Stand   7. 2. 12  114,05 $*
     
  • Das qualitativ schlechtere, spezifisch schwerere, "saure" Dubai Fateh aus dem OPEC-Raum (Handelsplatz Dubai Mercantile Exchange - DME aber auch an der ICE)    Stand   9. 12. 09  75,65 $*

*Preis am Spotmarkt zur sofortigen Lieferung
 
Weltweit werden mehr als 130 Rohölsorten gefördert. Ihre Preisen richten sich nach dem Qualitätsunterschied zu den Spitzensorten Brent und WTI so wie dem OPEC-Korb, dessen Wert sich aus den Preisen der Sorten Saharan Blend Algerien, Girassol AngolaMinas Indonesien, Iran Heavy Iran, Basra Light Irak, Kuwait Export Kuwait, Es Sider Libyen, Bonny Light Nigeria, Qatar Marine Katar, Arab Light Saudi Arabien, Murban VAE, BCF 17 Venezuela zusammensetzt.

 

Täglicher Ölbedarf 2011 weltweit: 89,5 Mrd. Barrel
Täglicher Ölbedarf 2012 weltweit: 91 Mrd. Barrel (Prognose)

Weltverschwender Nr. 1 im Bereich Energie waren bis 2009 die USA.  Bei Erdöl sind sie immer noch mit Abstand größter Verbraucher. Im Vergleich mit China (2009: 420 Mio. t) ist der US-Verbrauch doppelt so hoch.
Sie "konsumieren" jeweils mehr als ein Fünftel des Weltverbrauchs an Erdöl (US-Verbrauch 2009: 835 Mio. t) bzw. Erdgas.
Die Öl-Eigenförderung beträgt 7,4 Mio. Fass pro Tag 2010, der tägliche Verbrauch 21 Mio. Fass, was einen Importanteil von ~65 % ergibt. 2009 förderten die USA mit 325 Mio. t nur noch 3/4 der Menge von 1990. Daher reagieren sie besonders sensibel auf jeden politischen Ausschlag in "ihren" Lieferstaaten:
Jeweils 12 % der Einfuhren kommen aus Saudi Arabien und Nigeria, Venezuela liefert 10 %, Angola 6 %, Irak 5 %, je 3 % werden aus Kolumbien, Ecuador und Algerien bezogen. 1/3 kommt aus "sicheren" Staaten (18 % aus Kanada, 15 % aus Mexiko). Die restlichen 13 % entfallen auf mehrere Staaten. Stand Ende 2005 Quelle: EIA

Ein kleiner Lichtblick war die Entdeckung von Feldern im Golf von Mexiko im Jahr 2006. Die dort in 9000 m (!) Tiefe eingeschlossenen Ölmengen wurden auf 3 Mrd. bis 15 Mrd. Barrel geschätzt. Die Förderkosten auf ca. 40 $ pro Barrel.
40 $ pro Barrel ist auch der Preis, ab dem sich die Gewinnung von Erdöl aus Schiefergestein (siehe auch Schiefergas) lohnt. Die US-Vorräte (1,5 Bio. t) sind fünfmal größer als jene Saudi Arabiens (260 Mrd. t) 10/2011
[Zum Vergleich: Lukoil fördert in Sibirien zu durchschnittlichen Kosten von 2,5 $ pro Fass - Stand 2007
Die Förderkosten der weltweit größten privaten Ölkonzerne liegen zwischen 6 und 10 $ pro Barrel, inkl. Explorations-, Erschließungs-, Administrations- und Finanzierungskosten kostet das Barrel rund 30 $.Stand 12/2007]
Eine "stille" Reserve stellen erstens die schon vor Jahren "geschlossenen" alten Erdölfelder dar. Sie wurden nur zu 30 % ausgebeutet. Mit neuen Fördermethoden können ihnen noch beachtliche Mengen entnommen werden.
Zweitens bleibt noch die Hoffnung auf Aufhebung des 1982 vom Kongress beschlossenen Förderverbotes in 85 Prozent der amerikanischen Küstengewässer. In diesem Gebiet werden 20 Mrd. Barrel Erdöl und 2.500
Mrd. m3  Erdgas vermutet.
US-Energieaufkommen lt. IAEA 1. 1. 2011
Fossile Energie:
71 %   Wasserkraft: 6,5 %   Kernenergie:20 %   Erneuerbare Energieformen: 3,4 %

2010 förderte Kanada 3,1 Mio. Barrel / Tag
2011 förderte Kanada 2,8 Mio. Barrel / Tag davon 1,5 Mio. aus Ölsand.

In Mexiko, 2003 noch fünftwichtigster Erdölproduzent, 2009 mit 148 Mio. t bereits an siebenter Stelle, gehen die Vorräte (12,9 Mrd. Barrel) zur Neige. Bei einer täglichen Förderung von 2,8 Mio. Barrel 2010 (2004 waren es noch 3,8) geht die Hälfte in den Export. Die Vorräte in den erschlossenen Lagerstätten gehen rasch zur Neige. Voraussichtlich müssen 2012 die Exporte eingestellt werden. Quelle: Rohstoff Report 2+9/08
Geschätzte 30 Mrd. Barrel sollen vor der Küste in mindestens 500 Metern Tiefe lagern. Eine Sondierungsbohrung nach diesem Schatz kostet 150 Mio. $ und hat eine Trefferwahrscheinlichkeit von 15 %.
40 % der Staatseinnahmen Mexikos stammen aus den Abgaben der staatlichen Erdölgesellschaft PEMEX (führt 60 % seiner Einnahmen als Steuern ab. 2006 lieferte PEMEX 54 Mrd. $ an den Staat ab)
Quelle: NZZ 2.5.08 + Rohstoff Report 9/08

Norwegen, siebtgrößter Öl- und zweitgrößter Erdgasexporteur, hat neue Reserven entdeckt. 200 km vor der norwegischen Küste fand der Ölkonzern Statoil in der Barentsee ein Feld mit rund 500 Mio. Barrel Öläquivalenten. In Öläquivalenten wird der Energiegehalt einer Fundstätte angegeben, da neben Erdöl immer auch Erdgas vorhanden ist. Quelle: Handelsblatt  4. 4. 11
Im August 2011 informierte Statoil über einen weiteren Fund. In den beiden Feldern "Aldous" und "Avaldsnes" liegen förderbare Reserven zwischen 0,5 bis 1,2 Mrd. Barrel. Im Oktober revidierte Statoil die Schätzungen für "Aldous" auf 900 Mio. bis 1,5 Mrd. Barrel.

Weit besser steht der Iran da. Bei gleich bleibendem Verbrauch langen seine Ölvorräte noch für 90 Jahre, bei Erdgas sieht es mit 220 Jahren noch besser aus. Stand Juli 2007
Knapp10 % der Tagesförderung von 4,2 Mio. Barrel bezieht Indien, das 2010 dafür 12 Mrd. $ bezahlte. Handelsb. 5. 1. 11

Saudi Arabien erwirtschaftet 50 bis 60 Prozent seines BIP aus dem Verkauf von Erdöl. Von den Gesamtexporten entfallen 85 % auf Erdöl. 9 bis 10 Mio. Fass werden täglich gefördert, in Krisenfällen kann die Förderung auf 12,5 Mio. gesteigert werden.
2010 gingen 57 % des saudischen Öls in den Fernen Osten, 14 % in die USA, 4 % nach Europa.
2010 förderte Saudi Arabien 10 Mio. Barrel / Tag

China, der fünftgrößte Erdölproduzent der Welt, verbrauchte im Sommer 2008 fast 10 % der täglichen Weltförderung (>8 von weltweit 85 Mio. Barrel ); die Lieferanten waren: 675.000 Barrel aus Angola, 656.000 aus Saudiarabien, 433.000 aus Iran, 285.000 aus Oman, 252.000 aus Russland, 216.000 aus dem Sudan, 200.000 aus Venezuela, 109.000 aus Kasachstan, 97.000 aus Libyen, 95.000 aus dem Kongo, 628.000 aus anderen Staaten. Quelle: Rohstoffreport
Bis 1995 noch Selbstversorger, musste es 2003 91 Mio. t importieren. Das entsprach 37 % seines Gesamtbedarfs. 2004 betrugen die Einfuhren schon 110 Mio. t bzw. 2,5 Mio. Fass pro Tag, das entsprach schon 40 % seines Verbrauchs. Damit war China innerhalb von nur zehn Jahren zum zweitgrößten Importeur geworden.
2006 waren schon 7 Mio., 2007 sogar 7,6 Mio. Fass erforderlich um den täglichen Bedarf zu decken. 2009 musste China 230 Mio. t Erdöl einführen.
2009 förderte China 190 Mio. t selbst - womit es seinen Bedarf zu knapp 45 % decken konnte. Offiziell werden die wirtschaftlich nutzbaren Reserven mit 2,04 Milliarden Tonnen (= 14,9 Mrd. Fass) beziffert.
2010 förderte China 4,1 Mio. Barrel / Tag
2009 war China erstmals mit
2.252 Mio. t Erdöleinheiten weltweit der größte Energieverbraucher
vor den USA mit 2.170 Mio. t.
2010 verbrauchte China 20 % des weltweiten Energieaufkommens. An zweiter Stelle folgen die USA mit 19 %.
Chinas Energieaufkommen lt. IAEA 1. 1. 2011
Fossile Energie:
80,6 %   Wasserkraft: 16,9 %   Kernenergie:2 %   Erneuerbare Energieformen: 0,5 %

Japan, mit einem Tagesbedarf von 5 Mio. Fass der drittgrößte Erdölverbraucher, fördert aus 145 eigenen Quellen täglich wenig beeindruckende 19.000 Fass. Stand: 2010
Ein Territorialstreit mit China um die Gewässer rund um die Senkaku-Inseln (chinesische Bezeichnung: Diaoyu-Inseln), in denen große Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet werden, ist aufrecht.

Russland förderte 2004 450 Mio. t (2003: 421 Mio. t) und war weltgrößter Produzent (vor Saudi Arabien). Mit einer Exportmenge von 260 Millionen Tonnen lag Russland an zweiter Stelle (hinter Saudi Arabien) der Weltrangliste.
2006 steigerte Russland die Erdölförderung auf 485 Mio. t, davon verbrauchte es für den Eigenbedarf 136 Mio. t.
Seit 2011 wird China mit 300.000 Barrel / Tag über die ESPO-Pipeline (Länge: 4.000 km Kosten: 25 Mrd. $) versorgt.
Russland hat die EU an der Energiegurgel. Es liefert 36,4 % aller EU-Rohölimporte und 36,7 % aller EU-Gasimporte. Quelle: Directorate General Energy and Transport 2005
2010 förderte Russland 10,145 Mio. Barrel / Tag (505 Mio. t / Jahr), kein anderer Ölproduzent erreichte diesen Wert. Täglich wurden
7,3 Mio. Barrel (bpd) exportiert.

Deutschland fördert aus nationalen Quellen 1,4 Mio. t / Jahr. Die Reserven betragen 56 Mio. t, wovon 20 Mio. t erst 2011 gefunden wurden. Deutschlands Rohölimporte kamen 2009 zu 35 % aus Russland.

AFRIKAs nachgewiesene Ölreserven werden mit 132,1 Mrd. Barrel beziffert. Afrikanisches Tiefseeöl ist leicht und schwefelarm.
Verteilung: Libyen 46,4 Mrd. Barrel; Nigeria 46,4 Mrd. Barrel; Angola 13,5 Mrd. Barrel; Algerien 12,2 Mrd. Barrel; Sudan 6,7 Mrd. Barrel; Ägypten 4,5 Mrd. Barrel; Gabun 3,7 Mrd. Barrel; Kongo 1,9 Mrd. Barrel; Äquatorial Guinea 1,7 Mrd. Barrel. Quelle: BP 2011
Im Golf von Guinea werden Vorkommen von mehr als 70 Mrd. Barrel vermutet. Dazu gehört das bereits genutzte Feld Jubilee1 vor der ghanesischen Küste mit geschätzten 1,8 Mrd. Barrel.
Nigeria
ist der größte afrikanische Erdölproduzent
(2 Mio. Barrel/Tag; 2001: 110 Mio. t/J, 2005: 125 Mio. t/J, 2009: 98/Mio. t/J). Sofern nicht die Guerilla im Nigerdelta Erdölarbeiter entführt, Pipelines zerstört oder Förderanlagen angreift. Dann setzt sich Angola an die Spitze (2009: 88/Mio. t/J).
Im Dezember 2010 nahm Ghana seine Erdölproduktion auf. Aus dem vor der Küste gelegenen Feld Jubilee 1 wurden täglich 120.000 Barrel gefördert. 2013 sollen es 250.000 Barrel sein.
Der Nachbarstaat
Elfenbeinküste bringt es nur auf täglich
60.000 Barrel.

Ägypten fördert 750.000 Barrel / Tag, durch die Sumed-Pipeline (Rotes Meer zum Mittelmeer) fließen täglich 2,5 Mio. Barrel weitere 2,2 Mio. Barrel werden täglich durch den Suezkanal transportiert.

Im April 2008 meldete die brasilianische Erdölagentur die Entdeckung einer Erdöllagerstätte vor der Küste Brasiliens mit einem geschätzten Volumen von 33 Mrd. Barrel.

2007 vergab Libyen um 900 Mio. $ die Rechte für die Erschließung der Erdöl/Erdgasvorkommen in der Große Syrte an BP. BP begann mit der Tiefseebohrung 2010, wenige Monate nach dem Bohrinsel-Desaster im Golf von Mexiko. Bis Feb. 2011 (Beginn des Aufstand gegen Gaddafi) förderte Libyen täglich 1,47 Mio. Barrel und exportierte davon 1,17 Mio. Barrel.
Zu diesem Zeitpunkt deckte Deutschland 8 % seines Erdölbedarfs aus libyschen Quellen, die Schweiz 19 %, Österreich 21 %.

2010 exportierte
Libyen Produkte im Wert von 47,8 Mrd. $ (2009: 37,1 Mrd. $), davon entfielen 46,3 Mrd. $ auf den Erdölsektor (2009: 35,7 Mrd. $)  Quelle: IMF 2011

Venezuela ist der zehntgrößte Erdölproduzent und einer der Hauptlieferanten der USA. Zügig wurden bzw. werden unter Präsident Chávez die Erdölindustrie, ihre Zulieferer und Dienstleister verstaatlicht. Die Produktionskosten pro Barrel am Maracaibo-See (dort lagern die größten Reserven) betragen 8 $. Die Förderung erreichte 1998 einen  Höchststand (3,5 Mio. Barrel / Tag) fiel 2003 auf 2,55 Mio. Barrel / Tag und lag im Mai 09 bei 2,3 Mio. Barrel / Tag
Im Orinocco-Gürtel lagern nach dem aktuellen Stand der Technik förderbare 588 Mrd. Barrel Erdöl in Form von Schwerstöl. Damit liegt Venezuela in der Weltrangliste vor Saudi Arabien.
Gewinnung und Verarbeitung von Schwerstöl sind technisch aufwendig, teuer und wenig umweltfreundlich. Schwerstöl ist im Gegensatz zu normalem Erdöl schwerer als Wasser und sehr zähflüssig. China und Russland haben sich mit langfristigen Verträgen und hohen Investitionszusagen ihren Anteil gesichert.
2010 wurden täglich ~500.000 Barrel Schwerstöl gefördert.
2010 förderte Venezuela 2,5 Mio. Barrel / Tag

2010 wurde vor der Ostküste Schottlands eine Lagerstätte mit mindestens 300 Mio. Barrel gefunden.

Die steigende Nachfrage der bevölkerungsreichsten Staaten China und Indien wird auch Zukunft für hohe Rohölpreise sorgen.

Ende 2007 wurden 80 % der globalen Ölreserven von staatlich gelenkten Ölgesellschaften kontrolliert, 1970 waren es nur 15 %.
30 der 50 weltgrößten Ölproduzenten sind verstaatlicht oder zum überwiegenden Teil in staatlichem Besitz.

Die Großmächte China, Russland und die USA werben um die Gunst korrupter afrikanischer, arabischer und südamerikanischer Erdölstaaten und blockieren mit ihrem Vetorecht im UN-Sicherheitsrat UN-Maßnahmen gegen deren Regierungen (siehe Völkermord in Dafour).
Auch europäische Erdölgesellschaften waren nicht von Skrupeln gequält. Ein Konsortium bestehend aus Lundin (Schweden), ÖMV und Petronas (Malaysia) erhielt Bohrkonzessionen in einem Teil des Sudan, der von Regierungstruppen vor Beginn der Ölfeldexploration noch "gesäubert" werden musste (1997 - 2003).
2010 hat die schwedische Justiz Ermittlungen wegen möglicher Komplizenschaft bei Kriegsverbrechen eingeleitet.

Die größten Erdölfelder befinden sich in
Saudi Arabien - im Feld GHAWAR lagern noch mind. 75 Mrd. Fass, täglich werden 5 Mio. Fass gefördert, in
Kuwait
- im Feld BURGAN lagern noch mind. 66 Mrd. Fass, täglich werden 1,2 Mio. Fass gefördert und in
Brasilien
- bis zu 300 km vor der Küste wurden 2007 Vorkommen zwischen 50 und 100 Mrd. Fass in mehreren, 800 km voneinander entfernten Feldern entdeckt. Sie lagern 5000 bis 7000 m unter Meeresniveau, unter einer 1 bis 2 km dicken Salzschicht. Nach dem derzeitigen Stand der Technik sind sie noch nicht förderbar. Dennoch rechnet die brasilianische Petrobras, dass sie bei einem Weltmarktpreis von lediglich 35 $ pro Barrel gewinnbringend fördern kann.

Der Irak versteigerte im Dezember 2009 30 Mrd. Fass, knapp 30 % seiner Reserven. Interessenten mussten bekannt geben, wie viel Fass sie fördern wollen und welchen Betrag pro Fass sie vom Irak dafür haben wollen.
Die Einnahmen aus dem Verkauf des Erdöls gehen zur Gänze an die irakische Regierung.
Vom größten zu ersteigernden Feld, West-Kurna 2 (birgt 13 Mrd. Barrel), sicherte sich die russische Lukoil 80 % für 1,15 $ pro gefördertem Fass. Mit 15% dabei die norwegische Statoil.
Das zweitgrößte Feld, Majnun, erwarben Shell (60 %) und die malaysische Petronas (40 %) für 1,39 $ pro gefördertem Fass.
Die US-Konzerne Exxon und Shell erhielten West-Kurna 1 zugesprochen. Für jedes Barrel, das über der Jännerförderung (2010) von 160.000 Barrel/Tag liegt, kassieren sie 1,90 $. Sie mussten sich verpflichten, innerhalb der nächsten 20 Jahre die Produktion auf 2,325 Mio. Barrel/Tag zu steigern.
Das kleinere Ölfeld Halfaja (4,1 Mrd. Barrel), erwarb eine Bietergemeinschaft unter der Führung der chinesischen CNPC. An der Gruppe sind auch Petronas und die französische Total beteiligt. Dieses Konsortium forderte vom Irak die höchste Gebühr: 1,40 Dollar pro Fass.
Dennoch sehr günstig, vergleicht man sie mit den 2 Dollar je Fass, die BP und CNPC für das von ihnen bereits im Juni ersteigerte größte irakische Feld, Rumeila (17 Mrd. Barrel), für sich ausgehandelt haben.

Die riesigen Teersand-Lagerstätten in Kanada katapultieren das Land in der Liste der Staaten mit den größten bewiesenen Erdölreserven an die zweite Stelle (1. Saudi Arabien - 35 Milliarden Tonnen bzw. 260 Mrd. Barrel, 2. Kanada - 24 Milliarden T bzw. 173 Mrd. Barrel, 3. Iran - 17 Milliarden T.)
 
Gewinnung: Der aus Lehm, Quarzsand, Schlick, Wasser und 10 - 12 % Bitumen bestehende Ölsand wird mit heißem Wasser versetzt, um das Bitumen von den anderen Bestandteilen zu trennen. Gleichzeitig wird Luft zugeführt. Die Luftbläschen binden sich an die Bitumentröpfchen wodurch diese an die Oberfläche steigen. Dort wird der Bitumenschaum abgeschöpft, in Zentrifugen gegeben und Lösungsmittel zugesetzt. Beim anschließenden Schleudern verbleibt das leichtere Lösungsmittel-Bitumengemisch im Zentrifugeninneren, das "schwerere" Wasser wird durch die Fliehkraft abgetrennt. Danach wird das Bitumenöl in Raffinerien in leichtere Fraktionen (Öle) getrennt.
Pro Liter Öl werden 2 bis 6 Liter Wasser benötigt. Wegen starker Verschmutzung durch Schwermetalle und Chemikalien muss das gebrauchte Wasser in riesigen Becken 200 Jahre lang stehen. Erst dann sind alle toxischen Bestandteile auf den Beckenboden gesunken und dass Wasser kann wieder aufbereitet werden.

Aus zwei Tonnen Ölsand wird ein Barrel Öl gewonnen. Für Öl aus im Tagbau geförderten Sand, betrugen 2005 die Gestehungskosten in Kanada 15 kanadische Dollar, 2007 28 kanadische Dollar. Der Rohstoff-Report 4/08 bezifferte die Gestehungskosten mit 40 - 50 US$ pro Barrel, UBS Securities Canada mit 70 - 80 US$  Handelsblatt 11/08 S 32
20 % der Ölsandlager lassen sich im Tagbau abbauen.  Bei Sanden in tieferen Schichten wird Wasserdampf in Bohrlöcher eingepresst und nach einigen Wochen die erweichte Masse nach oben gepumpt. Das macht die Sache teurer. Außerdem können nur maximal 75 % des gebundenen Öls gewonnen werden (im Tagbau erhält man 90 %).
Die momentane kanadische Tagesproduktion von 2,7 Millionen Fass - davon 1,2 Mio. aus Ölsand - soll bis 2020 auf 5 Millionen Fass - davon 3,5 Mio. aus Ölsand -zunehmen.
Vorausschauend hat sich der chinesische Erdölkonzern (
CNOOC) mit 100 Millionen Euro am kanadischen Ölsandförderunternehmen MEG Energy Corp. beteiligt.
In den USA befinden sich in North Dakota und Montana Ölschiefervorkommen, die geschätzte 4,3 Mrd. Barrel Erdöl enthalten.

Der kanadische Ölverband
CAPP (Canadian Association of Petrol Producers) rechnet mit einem Anstieg der heimischen Ölproduktion von täglich 2,7 Mio. Barrel (2007) auf 4,5 Mio. Barrel (2020), davon entfallen auf Öl aus Ölsand 1,2 Mio. Barrel (2007) bzw. 3,5 Mio. Barrel (2020).

Ein Viertel aller bisher nicht entdeckten Erdölvorräte der Welt werden in der Barentssee vermutet. Sie liegt im Hoheitsgebiet von Norwegen und Russland. Streitigkeiten über den Grenzverlauf gibt es seit 1974!
Noch weiter nördlich öffnen sich weitere Hoffnungslagen. Unter dem langsam dahin schmelzende Nordpoleis soll es   riesige Ölvorkommen geben. Die fünf Anrainerstaaten Russland, Kanada, USA, Dänemark und Norwegen vergeben bereits Erdöllizenzen für Festlandsockelbohrungen in Küstennähe.
Eine Studie der USGS (United States Geological Survey) bezifferte die Erdölvorräte unter der Arktis mit 90 Mrd. Barrel, die Erdgasreserven mit 48 Billionen m3. Die Vorräte sollen hauptsächlich in Küstennähe lagern.

 
Erdölförderung in Prozent der Welt-Gesamtmenge - 12/2010
 
  % der WP   % der WP   % der WP
Russland 12,9 Mexiko 3,7 Brasilien 2,7
Saudiarabien 12,0 Venezuela 3,2 Norwegen 2,5
USA 8,7 VAE 3,2 Angola 2,3
Iran 5,2 Kuwait 3,2 Kasachstan 2,1
China 5,2 Irak 3,1 Libyen 2,0
Kanada 4,2 Nigeria 2,9 Algerien 2,0

 

Größte Erdöl-Verbraucher: USA  22,5 %  China  11Japan  5,1 %  Russland  3,3 %  der Weltproduktion  Quelle:  BP, Statistical Review 2011

Die afrikanischen Lagerstätten südlich der Sahara, die hohe Erschließungskosten verursachen, gewinnen mit steigenden Ölpreisen an Bedeutung. China (siehe oben) und Indien investieren in den Erdölsektor, um sich Förderrechte zu sichern. Die USA beziehen bereits 15 Prozent ihrer Erdöleinfuhren aus Afrika und wollen den Anteil bis 2015 auf 25 Prozent steigern.
Die Schweiz bezieht fast ein Drittel ihres Rohölbedarfs aus Afrika.  Quelle Erdölvereinigung www.erdoel.ch
Nigeria, Angola, Äquatorialguinea, Elfenbeinküste, Ghana, Benin, Gabun, Senegal, Kamerun, Tschad, Sudan, ... lang ist die Liste der Staaten mit genutzten, entdeckten oder vermuteten Lagerstätten.
2,0 Millionen Fass fördert Angola (7/2010) täglich, damit liegt es unter den afrikanischen Staaten gleichauf mit Nigeria  an der Spitze.

 

Den Nachfrageprognosen für Erdöl passen die Reedereien die Charterpreise ihrer ERDÖLTANKER an. Für einen 300.000 t Tanker waren Ende 2005 durchschnittlich 85.000,- € täglich an Miete zu bezahlen.
13.000,- $ pro Tag musste 2011 für eine Aframax-Tanker (Fassungsvermögen 70.000 bis 120.000 t) an Miete gezahlt werden, VLCC-Tanker (Fassungsvermögen >200.000 t) kosteten 27.000,- $ pro Tag. Kurs 16. 11.11: 1 € = 1,35 $

Es lohnt sich, voll beladene Tanker vor der Küste längere Zeit ankern zu lassen, wenn sich der Ölpreis auf dem Terminmarkt (siehe Futures) erheblich nach oben bewegt. Im Jänner 2009 betrugen die Lagerkosten auf einem Riesentanker (VLCC-Tanker Very Large Crude Carrier) 75 bis 90 Cent pro Barrel und Monat. Z. B. warteten im Feber 2009 auf etwa 70 VLCC-Tankern und 20 Suezmax-Tankern* rund 80 Mio. Barrel auf bessere Preise.
*
Suezmax-Tanker war die ursprünglich Bezeichnung der größten Tanker, die den Suezkanal durchqueren konnten. Sie sind in die Größenklasse von 120.000 bis 200.000 TDW (tons deadweight = Fassungsvermögen in Tonnen) einzuordnen.

Die Mietkosten für eine Hubbohrinsel betragen bis 120.000,- € pro Tag. Oder man kauft sie.Das geht ordentlich ins Geld. Mitte 2006 kosteten fest verankerte Hub-Bohrinseln, so genannte "Jack-up-Rig", 160 Mio. $ pro Stück. Tägliche Fixkosten einer Plattform: 500.000 $ Feb. 2010
Schwimmende Bohrinseln, "floating rigs", operieren in Meerestiefen über 200 Meter. Sie werden durch riesige Ankerketten oder mit Hilfe von Wasserturbinen in Position gehalten. Die aufwendigere Technik schlägt sich im Preis nieder, der bis zu 300 Mio. $ betragen kann.
Für die Transocean Marianas musste der ENI-Konzern täglich 450.000 $ Miete bezahlen (Mietdauer 2/11 bis 12/12)

Schiffe mit integrierten Bohrtürmen (Drillship) pumpen das Erdöl vom Meeresgrund nach oben, trennen das Wasser-Öl-Gasgemisch und lagern das Öl bis es von Tankern übernommen wird. Die Schiffe sind so konstruiert, dass sie sich um den Bohrturm drehen können. Dadurch bieten sie starken Strömungen und Stürmen keinen starren Widerstand. Häufig sind sie als Katamaran gebaut, ihre Schwimmer können geflutet werden, was die Stabilität erhöht. Mit Hilfe von Propellern und Motoren können sie ihre Position auch in schweren Stürmen halten.
Bei ihrer Suche nach Öl können Bohrschiffe 3.000 m Wasser und weitere 12 km Boden durchdringen.
Ein BOHRSCHIFF in der Nordsee war 2005 noch für 50.000,- Dollar pro Tag mietbar, Ende 2007 musste man dafür schon 200.000,- Dollar täglich berappen.
Was kostet ein Drillship frisch aus der Werft? Die dänische Reederei Mærsk hat zwei bei der koreanischen Samsung Heavy Industries bestellt. Liefertermin: 2014; Gesamtauftragswert: 1,3 Mrd. $

Nach Angaben der OPEC waren Anfang 2006 weltweit 2.746 Onshore- und Offshore-Plattformen in Betrieb. Der überwiegende Teil älter als 25 Jahre.
Zwei der wichtigsten Offshore-Bohrunternehmen, Transocean Inc. und GlobalSantaFe Corp., beschlossen 2007 ihre Fusion. Die Größe des neuen Unternehmens mit Sitz in Huston (Texas)  - ab 2009 in der Schweiz - macht es zum Weltmarktführer, der 146 Offshore-Plattformen betreibt. Darunter sind 29 für Tiefseebohrungen (>1.500m) konstruiert. Eine bedeutende Menge, schließlich gibt es davon weltweit nur etwa 70.
Im Auftrag von BP betrieb Transocean Inc. die am 20. April 2010 im Golf von Mexiko explodierte und gesunkene Plattform "Deepwater Horizon" (Der Untergang der Plattform verursachte 2010 Kosten von 116 Mio. € nach Steuern, brachte jedoch Einnahmen durch Versicherungszahlungen in der Höhe von 267 Mio. €.). Der Zubehörspezialist Cameron war Hersteller der nicht funktionierenden Sicherheitsventile, die Firma Halliburton hatte kurz vor der Explosion Hohlräume am Bohrloch mit Zement verfüllt. Mit 25 % am Ölfeld beteiligt ist die US-Ölfirma Anadarko Petroleum. 90 Tage nach der Explosion konnte das Leck geschlossen werden. 4,1 Mio. Fass waren ins Meer geflossen. (Vgl. US-Tagesbedarf 20 Mio. Fass) Die Menge entspricht der Ladung zweier 280.000 t Tanker oder der täglichen Förderung von Norwegen.

16 Tiefsee-Bohrinseln vermietet die Noble Corporation - Miete pro Stück und Tag 550.000 Dollar Juni 2008 - an die Ölkonzerne, übernimmt wie die gesamte Branche auf Wunsch auch die Förderung und den Abtransport. Die Auftraggebern können unter Halbtauchbohrinseln (Semi-submerible Rig), Hubbohrinseln (Jack-up-Rig), Bohrschiffen und festen Tauchbohrinseln (Submerible Rig) wählen.
Nach dem Kauf der norwegischen Erdölbohr- und Dienstleistungsgesellschaft Awilco Offshore ASA durch die chinesische COSL verfügt die COSL (China Oilfield Services) über 22 Explorations- und Bohrplattformen, an 6  weiteren wird gebaut. Juli 2008

Offshore-Taucher sind hauptsächlich "Einzelunternehmer" (Freelancer), die für einen bestimmten Zeitraum bzw. Einsatz von Öl- oder Taucherfirmen engagiert werden. Sie sind weltweit unterwegs, ihre Arbeit verrichten sie in Meerestiefen bis 400 Meter. Mit einem Tagesverdienst von 500 bis 1.500 Euro scheint ihre gefährliche Tätigkeit eher unterbezahlt. Sie verlegen und kontrollieren Pipelines, verankern und montieren Bohrtürme, bringen Ventile an Gas- oder Ölquellen an.

Die großen Erdölkonzerne sichern sich zwar die Rechte an vermuteten Lagerstätten, beauftragen mit deren Erkundung jedoch Fremdfirmen. Die bedeutendsten sind Technip , CGGVeritas und die ENI-Tochter Saipem . Sie teilen sich ein Marktvolumen von mehr als 40 Mrd. €.

Wem gehört der Meeresgrund?
Von 1973 bis 1982 dauerte die UN-Seerechtskonfernez an der 158 Staaten im "Law of Sea" drei Zonen festlegten:

  • bis 12 Seemeilen vor der Küste eines Staates ist das Meer dessen Hoheitsgebiet
  • danach folgt die 200 Seemeilen (in Sonderfällen 350 Seemeilen; z. B. wenn ein Land einen weit ins Meer ragenden Festlandsockel besitzt) breite Ausschließliche Wirtschaftszone. Ihre Nutzung (Bodenschätze und Fischfang) steht nur der Nation, der sie vorgelagert ist zu. Schiffen anderer Nationen muss die Durchfahrt erlaubt sein.
  • darüber hinaus folgt das zum "gemeinsamen Erbe der Menschheit" erklärte Gebiet: Das "Freiwasser" (Hochsee) und der Tiefseeboden ("The Area"). Ein Staat, der den Tiefseeboden nutzen möchte, muss bei der Internationalen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) eine Lizenz für einen Claim erwerben. Sie gilt für 15 Jahre und ist natürlich kostenpflichtig.
Weitere 12 Jahre vergingen, bis der Vertrag 1994 in Kraft treten konnte. Bis 2007 hatten ihn ihn 153 Staaten unterzeichnet.
Auf der Website der ISA http://www.isa.org.jm/en/home sind die vergeben Claims auf den Internationalen Seekarten eingezeichnet.
 
Im September 2010 unterzeichneten der russische Präsident und der norwegische Ministerpräsident ein Abkommen über den genauen Grenzverlauf in der Barentssee. Damit konnten die beiden Staaten mit der Suche nach den in diesem Gebiet vermuteten umfangreichen Gas- und Ölvorkommen beginnen.

 

PIPELINES transportieren Erdöl und Erdgas. Sie bestehen aus Stahllegierungen (mit Niob und Titan), ihr Durchmesser beträgt 150 Zentimeter. Jede Schweißnaht wird mittels Ultraschall und Röntgen geprüft. Nahtstellen werden mit einem Kunststoff- bzw. Glasvlies-Bitumengewebe ummantelt um sie vor Korrosion zu schützen.
Offshore-Pipelines werden mit Beton ummantelt, was ihnen zusätzlichen Schutz und Gewicht verleiht.
Gasröhren verfügen über eine Innenbeschichtung, die für ein reibungsarmes Durchgleiten sorgt.
Der Druck in den Ferngasleitungen auf dem Festland beträgt bis zu 100 bar, bei Leitungen auf dem Meeresgrund bis zu 200 bar. Um den Druck über große Strecken konstant zu halten, sind alle 100 bis 200 Kilometer Kompressoren installiert.

Unterirdische Pipelines werden entlang ihres Verlaufs mit gelben (Erdgas) oder orangefarbenen (Erdöl und Mineral-ölprodukte) Hütchen markiert.
Unterirdische Pipelines werden entlang ihres Verlaufs mit gelben (Erdgas) oder orangefarbenen (Erdöl und Mineralölprodukte) Hütchen markiert.
Als erste Gas-Pipeline in Ö ging 1974 die TAG I (Trans-Austria-Gasleitung) in Betrieb. Sie transportiert russisches Erdgas und verläuft von Baumgarten (NÖ) nach Arnoldstein (K). Die parallel verlaufende TAG II sorgt seit 1988 für ein erhöhtes Transportaufkommen. Eine Abzweigung der TAG I, die SOL (Süd-Ost-Leitung) bringt Erdgas nach Slowenien und Kroatien. Mit der TAG LOOP II steht der TAG seit 2006 eine dritte Leitung zur Verfügung.
Russisches Erdgas für Frankreich und Deutschland fließt in der WAG (West-Austria-Leitung von Baumgarten nach Oberkappel OÖ) und nach Ungarn in der HAG (Hungaria-Austria-Gasleitung von Baumgarten nach Mosonmagyarovar).
50
Mrd. m3 Transitgas werden pro Jahr durch Österreich in die Nachbarstaaten weiter geleitet.

Das Betreiben von Pipelines ist ein einträgliches Geschäft.
Der Bilanzgewinn der Trans Austria Gasleitung GmbH betrug 2007 37.012.080 € / 2008 33.048.768 € / 2009 80.253.939 €
 

Pipelinemarkierung an der Raab-Ödenburger-Eisenbahn bei km 109,8. Bild: NETSCHOOL  Bei Kontrollflügen sind Undichtheiten am verfärbten Erdreich zu erkennen.
Das Innere der Leitungen wird mit "Molchen" (= Metallzylinder mit  Messinstrumenten bzw. mit Bürsten und Schabern), deren Durchmesser dem Pipeline-Innendurchmesser entspricht, kontrolliert bzw. gereinigt.
Die Molche werden vom Druck des Transportguts von Schieberstation zu Schieberstation vorangetrieben.
In Österreich dürfen Pipelines nicht einfach so in der Gegend verlegt werden, sondern die Bauvorhaben müssen veröffentlicht und den Betroffenen ist Gelegenheit zum Einspruch zu gegeben:
 
BMWA-556.100/033-IV/5a/2008
Kundmachung
Gemäß §§ 44, 45 und § 47..... wird kundgemacht:
Die Oberösterreichische Ferngas Aktiengesellschaft ... hat um die Erteilung der gasrechtlichen Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb der Erdgas-Hochdruckleitungsanlage HDL 100 Puchkirchen - Reitsham, Innendurchmesser 781mm, DN 800, PN 70, Länge 39.200 m gemäß §§ 44, 45 und § 47...
Die oben angeführte Erdgas-Hochdruckleitungsanlage berührt die Gemeindegebiete der nachstehend angeführten Gemeinden ...
Jedermann kann innerhalb der sechswöchigen Auflagefrist an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit... zum Vorhaben eine schriftliche Stellungnahme abgeben oder schriftliche Einwendungen erheben. ...

 

Beginnen wir wieder in Österreich. 1,70 Mrd. m³ Erdgas, gefördert in den Bundesländern Nieder- und Oberösterreich, decken 15 % des Jahresbedarfs. Die Importe (2010: 9,92 Mrd. m3) holen wir uns dort, wo das auch die anderen europäischen Staaten tun: hauptsächlich aus Russland (5,5 Mrd. m3), den Rest aus Westeuropa (2009: Norwegen 1,3 Mrd. m3 und anderen 3,0 Mrd. m3).
Quelle: Fachverband der Mineralölindustrie Österreichs  JAHRESBERICHT 2010
Die OMV hat mit Russland einen Erdgas-Liefervertrag bis zum Jahr 2027 abgeschlossen, kommt jedoch seinen Verpflichtungen nur nach, wenn sie seinen machtpolitischen Zielen nicht entgegenstehen.
Gasverbrauch 2008: 8,391 Mrd. m
3 (davon Haushalte + Gewerbe 27 %, Industrie 39 %, Kraftwerke + Fernwärme 34 %)
Seit 1961 muss Ö Erdgas importieren, bis dahin reichte die damalige Fördermenge von jährlich 1,6 Mrd. m3 für den Eigenbedarf.
Die sicheren und wahrscheinlichen Gasreserven in Ö betragen 24,7 Mrd. m
3. Stand 1. 1. 2011
Einen kleinen, nationalen Lichtblick gab es Anfang 2005, als die OMV im Wiener Becken eine Erdgaslagerstätte mit 4 Milliarden m³ Inhalt entdeckte. Damit verbessert sich Österreichs Eigenversorgung ab 2010 auf 20 %.
2011 entdeckte die OMV im niederösterreichischen Weinviertel ein riesiges Schiefergasvorkommen, das den Inlandsbedarf für mehrere Jahrzehnte zur Gänze decken könnte.

Bei der Lagerstättensuche wird mit vibrierende Metallplatten der Untergrund erschüttert, das Echo der Schwingungen mit Geophonen erfasst und in Ultraschallbilder umgewandelt. Die Ergebnisse ermöglichen ein gezieltes Platzieren der Bohrungen. Das spart Geld, kostet doch eine mitteltiefe Bohrung (2000 - 3000 m) ~10 Mio. €.
Pipelines transportieren Erdgas und Erdöl unterirdisch in Ost-West- bzw. Nord-Süd-Richtung quer durch Österreich. Sie müssen regelmäßig überprüft werden. Deshalb ist ihr Verlauf oberirdisch markiert und beschriftet.
Abbildung links oben

Wie viel der Pipelinebetreiber für die Erdgas-Durchleitung in Österreich verlangen darf, ist in der SonT-GSNT-VO (Sonstige Transporte-Gas-SystemNutzungstarife-VerOrdnung) geregelt. In der Novelle für 2009 waren das laut
 
§ 2 Abs. 4 (4) Als Netznutzungsentgelt wird für die Regelzone Ost festgelegt:

  • a) für Transporte mit einer Transportstrecke bis 150 km
    1. Arbeitspreis: 0,0134 Cent/kWh
    2. Leistungspreis: 110,06 Cent/kWh
  • b) für Transporte mit einer Transportstrecke über 150 km
    1. Arbeitspreis: 0,0537 Cent/kWh
    2. Leistungspreis: 440,25 Cent/kWh

Der Preis für Erdgas wird in Dollar pro 1000 m3 angegeben: ... $ /1000 m3
An der Börse notieren Erdgaskurse auch in Dollar je 1 Million britischer Thermaleinheiten ... $ /1mmBTU.

Die Erdgas-Importe der Schweiz kommen zur Hälfte aus der EU, je 21 % aus Russland und Norwegen, die restlichen 8 % entfallen auf mehrere Staaten.

Die Erdgas-Importe Deutschlands kamen 2008 zu 37 % aus Russland (2010: 39 Mrd. m3), 24 % lieferte Norwegen, 18 % die Niederlande. 15 % des Verbrauchs werden im Inland gefördert, hauptsächlich in Niedersachsen.
2009 wurden aus Russland 32 % des deutschen Bedarfs bezogen, 29 % lieferte Norwegen, 20 % die Niederlande.
Verbrauch 2010: ~
100 Mrd. m3) Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

In Westeuropa wurden mit 270 Mrd. m3 2 Prozent mehr Erdgas gefördert als im Vorjahr; es stammte zu über 80 Prozent aus den drei größten Förderländern Großbritannien (110 Mrd. m3), den Niederlanden (62 Mrd. m3) und Norwegen (51 Mrd. m3).

Russland plant eine Produzentenvereinigung nach dem Muster der OPEC. Ein Treffen wichtiger Erdgasexporteure in St. Petersburg (23. 12. 2008) sollte das Vorhaben auf Schiene bringen.

Der Erdgasverbrauch in Westeuropa betrug 400 Mrd. m3. Erdgas deckte damit unverändert 23 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Westeuropa.
55 % des Verbrauchs werden in Westeuropa gefördert, 25 % kommen aus Russland, 11 % aus Algerien.
Im EU-Raum wurden
2006
500 Mrd. m3. Erdgas verbraucht, davon wurden 125 Mrd. m3 aus Russland bezogen.
200
8 importierte Europa 160 Mrd. m3 aus Russland, Hauptabnehmer war Deutschland mit ~35 Mrd. m3.
Die Erdgasimporte der EU-27 kamen
2008 aus
Russland 31,5 %, Norwegen 24,1 %, Algerien 12,4 %, Nigeria 3,3 %, Libyen 2,5 %, Ägypten 1,8 %,Katar 1,4 %  Quelle: EUROSTAT

Polen besitzt Schiefergasreserven im Ausmaß von 187 Bio. Kubikfuß und kann damit seinen Erdgasbedarf für die nächsten 300 Jahre decken. Energy Information Agency EIA

Frankreich besitzt Schiefergasreserven im Ausmaß von 108 Bio. Kubikfuß, die es nicht zu nutzen gedenkt. Ein Gesetz über das Förderverbot wurde 2011 beschlossen.

Die USA konnten während mehrerer Jahre bis 2010 auch bei Erdgas ihren hohen Bedarf nicht aus eigenen Vorkommen decken. 15 % mussten importiert werden, bis die Gewinnung von Schiefergas das Land wieder autark machte. Gegenstimmen sprechen maßloser Übertreibung durch die Energiekonzerne und sehen die Erschöpfung der Vorräte bereits nach sieben Jahren.
Schätzungen des US-Energieministeriums (10/2011) sprechen von 23 Bio.
m3 verfügbarer Schiefergasvorkommen.
Dem Energiegehalt entsprechend, betrug das Preisverhältnis Erdöl zu Erdgas bis 2008 7:1
(Henry-Hub-Kontrakt). Das Gas-Überangebot 2011 atomisierte die Preisbindung. Ein Barrel WTI kostete 100 $, der Henry-Hub-Kontrakt jedoch nur 4 $ pro Einheit. März 2011
2012 waren die USA bereits weltgrößter Gasproduzent, sie förderten mehr als 19% des globalen Angebots. 14 % der inländischen Gasförderung stammten aus Schiefergestein, 2035 soll der Anteil 45 % betragen.

Stromerzeugung 2010: 48 % aus Kohlekraftwerken, 20 % aus AKW, 18 % aus Erdgas-KW.

Gewinnung von Schiefergas: Das Gas befindet sich in Millionen kleiner Poren im Tonstein (auch als Schiefer bezeichnet). Der Tonstein wird senkrecht angebohrt, dann die Bohrung horizontal über eine Strecke von etwa 2000 m weiter geführt. Anschließend wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien (Substanzen, wie sie in Waschmitteln oder Kosmetika verwendet werden) in das Bohrloch gepresst. Dieser Vorgang wird als "Hydraulic Fracturing" oder "Fracking" bezeichnet. Dabei entstehen unzählige Risse, durch die das Erdgas entweichen kann. Das Fracking ist nach wenigen Tagen beendet, danach steht das Bohrloch für die Produktion bereit.
Damit das Grundwasser nicht vergiftet wird, werden die Wände des Bohrlochs betoniert und mit Stahlrohren verschalt.

CHINA gibt seine Gasreserven mit 2,45 Bio. m3 an. Verbrauch 2008: 78 Mrd. m3

In Russland betrug 2006 die Erdgasförderung 520 Mrd. m3. Das Fördervolumen entsprach 22 Prozent der gesamten Erdgasförderung in der Welt. Russland blieb damit größtes Förderland und mit 187 Mrd. m3 auch größter Exporteur.
Erdgasförderung und Erdgasverbrauch in der Welt erhöhten sich von 2007 auf 2008 um 3,4 % auf 3.066 Mrd. m
3. Das entsprach 24 Prozent des gesamten Weltenergieverbrauchs.
2010 förderte Russland pro Tag
1,78 Mrd. m
3 und lag damit hinter den USA (~2 Mrd. m3 pro Tag) an zweiter Stelle.

Der Irak versteigerte am 20. 10. 2010 drei Erdgasfelder. Das Akkas-Feld (Reserven 158 Mrd. m3) ersteigerte ein südkoreanische-kasachisches Konsortium, das Mansuria-Feld (Volumen 127 Mrd. m3) ging an eine türkisch-südkoreanisch-kuwaitische Firmengruppe, Siba (34 Mrd. m3) sicherte sich ein türkisch-kuwaitisches Joint Venture.

Vor Israels Küste warten mehrere Erdgasfelder auf ihre Ausbeutung. In den beiden größten, "Leviathan" und "Tamar" lagern 430 Mrd. m3 bzw. 225 Mrd. m3.

Nach eigenen Angaben (Gasco) liegt Ägypten in der Weltrangliste der Erdgasproduzenten an sechster Stelle. Laut CIA wurden 2009 62,7 Mrd. m3 produziert. Die Vorräte betragen 2210 Mrd. m3. Schätzung 2011

Bekannte Erdgasreserven 1988: 109.720 Mrd. m3
Bekannte Erdgasreserven 2009: 185.020
Mrd. m3 (6.534 Billionen Kubikfuß), die den Weltbedarf für 60,4 Jahre decken sollten. Quelle BP Statistical Review
 
Erstaunlich der Umgang mit dem wertvollen Rohstoff. Eine Weltbankstudie (2007) kommt zum Ergebnis, dass jährlich zwischen 150 und 170
Mrd. m3 - das sind mehr als 5 % der Weltförderung - als "Nebenprodukt" der Erdölförderung anfallen und an den Förderstellen einfach verbrannt (abgefackelt) werden. Die größten Abfackler sind Russland (50 Mrd. m3) und Nigeria (23 Mrd. m3).
 
Die größten Lagerstätten liegen in Russland (
48.000 Mrd. m3, entsprechen 26 % der Weltreserven), Iran (27.500 Mrd. m3), Katar (25.800 Mrd. m3) und Turkmenistan (13.000 bis 23.000 Mrd. m3). Diese vier Staaten halten 2/3 der Weltreserven.
Der Nahe Osten (ohne Iran) verfügt über 45.410
Mrd. m3,
In Afrikas Boden lagern 14.580
Mrd. m3, im Fernen Osten 14.460 Mrd. m3, GUS (ohne Russland) 8.620 Mrd. m3Nordamerika (inkl. Mexiko) 7.980 Mrd. m3, Zentral- und Südamerika 14.580 Mrd. m3, Europa 6.130 Mrd. m3.

14 bedeutende Ergasproduzenten (Russland, Algerien, Iran, Indonesien, Malaysia, VAE, Katar, Ägypten, Venezuela, Trinidad + Tobago, Nigeria, Bolivien, Brunei, Libyen), die zusammen mehr als 41 % der Weltproduktion fördern und über 73 % aller Vorräte verfügen, kamen 2007 überein, sich untereinander um eine "intensivere Kooperation" zu bemühen.

Die größten Produzenten 2008 waren Russland (602 Mrd. m3), USA (582 Mrd. m3), Kanada (175 Mrd. m3), Iran (116 Mrd. m3), Norwegen (100 Mrd. m3). Quelle: BP Statistical Review of World Energy 2008
Die größten Verbraucher 2008 waren USA (657 Mrd. m3), Russland (420 Mrd. m3), Iran (118 Mrd. m3), Kanada (100 Mrd. m3), GB (94 Mrd. m3).
 

25 "Erdgaspakete" zu je zehn Millionen Kubikmeter/Jahr konnten 2008 via Internet ersteigert werden. Bieter mussten sich auf der Website www.gashub.at registrieren:
EconGas, Austria’s Business to Business natural gas supplier, offered 25 lots of natural gas of roughly ten million cubic meters each, which is equivalent to a total of 2,788,920 MWh or to the annual consumption of about 125,000 households.
 

Erdgas in Prozent der Welt-Gesamtmenge
 

    Größte Verbraucher      Größte Produzenten       Größte Reserven
USA 27 USA    2009: 624 mrd ³ 20 Russland 26
GUS 23 Russland  2009: 582 mrd ³ 19 Iran 16
Naher Osten 8 Naher Osten 10 Katar 14
Großbritannien 4 Kanada 7 Turkmenistan 7-12


Auf Algerien entfallen mit 95 Mrd. m
3 pro Jahr 70 Prozent der afrikanischen Erdgasproduktion.

Mit seinen Lieferungen von insgesamt rd. 55 Mrd. m3, die – per Pipeline und in Form von Flüssiggas (LNG) – nach Westeuropa, sowie als Flüssigerdgas in die Türkei und in die Vereinigten Staaten von Amerika gingen, blieb Algerien auch das mit Abstand bedeutendste Erdgasexportland Afrikas. Weitere Exportländer waren Libyen und Nigeria.

Als Machtinstrument verwendet Russland sein Erdgaspotential. Politisch widerborstigen Abnehmern berechnet der staatliche Monopolist Gazprom höhere Preise.
Am 1. 1. 2007 bezahlten für 1000 m3 Erdgas:
Armenien 110 $, Ukraine 130 $
(nach 95 $ 2006), Moldawien 170 $, Aserbeidschan 235 $, Georgien 235 $, Weißrussland statt bisher 46,68 $ nun 100 $ (+ Verkauf von 50 % des staatlichen Pipeline-Betreibers Beltransgaz gegen eine Zahlung von 2,5 Milliarden Dollar an Gazprom). Gazprom kündigte eine schrittweise Anhebung auf westeuropäisches Niveau bis 2011 an.
Ab 1. 1. 2008 bezahlte die Ukraine - bzw. der staatliche Energiekonzern Naftogaz - 179,5 $ für 1000 m3 Erdgas, Weißrussland ab 1. 4. 2008 128 $.
Den EU-Staaten werden von Gazprom 353 $ (Litauen) bis 525 $ (Westeuropa) verrechnet. Stand Dez.. 2008
Turkmenistan stellt PetroChina für 1000 m3 195 $ in Rechnung, weitere 50 $ berappen die Chinesen für den Transport.
Überraschend senkte Gazprom ab 1. 1. 2009 den Preis für Europa um 30 % auf 280 $ für 1000 m3 Erdgas und versprach diese Preisniveau so lange zu halten, wie der Preis für russisches Urals-Öl im Jahresschnitt unter 50 $ / Barrel liege.
 
Auch bei den Öllieferungen an Weißrussland ließ sich Russland einen Preisaufschlag einfallen: einen Exportzuschlag von 180 $ pro Tonne. Minsk konterte mit einer Transitgebühr von 45 $ pro Tonne russischen Erdöls, das durch weißrussische Pipelines an westeuropäische Abnehmer  floss.
Um die Zahlungsmoral stand es in Minsk weiterhin nicht zum besten. Von Jänner bis Juli 2007 hatte Weißrussland aus unbeglichenen Erdgasrechnungen bei Gazprom Schulden in Höhe von 500 Mio. $ angehäuft, die es erst im August beglich.
Im Juni 2010 drosselte Gazprom Weißrussland den Erdgasbezug um 30 %. Eine Rechnung über 200,- Mio. $ war offen. "Logische" Konsequenz: Weißrussland blockierte den Erdgastransit in die EU-Staaten und erhob seinerseits Forderungen gegenüber Gazprom wegen nicht beglichener Transitleistungen in Höhe von 260,- Mio. $.
Einigung am 2. Juli 2010: Gazprom zahlt künftig 1,88 $ (statt früher 1,45 $) um 1.000 m3 Erdgas 100 km weit zu transportieren.
Im ersten Quartal 2010 hatte Weißrussland 169 $ pro 1000 m3 Erdgas zu bezahlen, danach 184 $.
Im November 2011 einigten sich Gazprom und Weißrussland. Gazprom wird auch die zweiten 50 % der  weißrussischen Beltransgaz für 2,5 Mrd. $ vollständig übernehmen. Weißrussland zahlt 2012 für 1000 m3 Erdgas nur 165,50 $ (EU-Staaten müssen mit 400,- $ rechnen!).
 
Die Ukraine hatte gegenüber Russland bis November 2008 2,4 Mrd. $ "Gas-Schulden" angehäuft. 550 Mio. $ versprach die ukrainische NAFTOGAS bis 1.12. zu bezahlen, über die Abwicklung der Restschuld wurde verhandelt. Vor dem Jahreswechsel kam es zu keiner Einigung.
Gazprom reagierte wie in den Vorjahren mit einer Liefersperre (ab 1.1 2009) und einer Preiserhöhung von 180 $ auf 250 $ pro 1000 m3 Erdgas. Die Ukraine wollte nur 210 $ akzeptieren, daraufhin schraubte Gazprom den Preis auf 450 $ und drehte den Hahn zu. Die Ukraine zeigte sich wenig beeindruckt, zweigte seinen Bedarf - laut Gazprom - von den für die EU-Staaten vorgesehenen Lieferungen ab und drohte mit einer Erhöhung der Transittarife (aktuell 1,7 $ pro 100 km für je 1.000 m3). Im Gegenzug begann Gazprom ab 6. 1. die Lieferungen an west- und osteuropäische  Staaten und die Türkei über andere Transitpipelines zu leiten. Deren Kapazität reichte jedoch bei weitem nicht aus. Stunden später kam in Österreich, der Türkei, Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Griechenland, Tschechien, Mazedonien kein bzw. kaum noch russisches Erdgas an.
In Zug, einer Stadt in der Deutschschweiz, hat der Energiehändler Rosukrenergo seinen Geschäftssitz. Die Gesellschaft gehört  zu je fünfzig Prozent Gazprom und der Wiener Energie- und Chemieholding Centragas. Rosukrenergo ist zur Hälfte Mitbesitzer des ukrainischen Gasverteilers Ukrgasenergo und hat das Monopol auf die Erdgasimport der Ukraine. Rosukrenergo macht nichts, was Gazprom nicht genau so gut selber machen könnte.
Einigung zwischen Gazprom und Naftogaz Ukrainy am 18. 1. 2009. Im laufenden Jahr zahlt die Ukraine 20 % weniger als Resteuropa, ab 2010 muss sie den Erdgaspreis bezahlen, der auch den anderen europäischen Abnehmern verrechnet wird. Dafür zahlt Gazprom dann "normale" Transittarife. Rosukrenergo verliert seine lukrative  Zwischenhandelsfunktion.
2010 kam alles ganz anders: Die Ukraine erhält für 10 Jahre einen Preisnachlass von 30 % auf den jeweiligen Marktpreis. Im Gegenzug wird der bis 2017 laufende Pachtvertrag für die russische Schwarzmeerflotte auf der Krim um 25 Jahre verlängert.

Russland hat Turkmenistan vertraglich zur Lieferung bedeutender Mengen (50 Mrd. m3 pro Jahr) verpflichtet. Damit verlieren besonders die EU-Staaten eine alternative Bezugsquelle, ihre wirtschaftliche und politische Erpressbarkeit durch Russland wird damit weiter erhöht.
2008 kam Russland seinen Abnahmeverpflichtungen nicht nach.
Gazprom bezog nur 44 Mrd. m3.
Für den Eigenbedarf benötigt Turkmenistan 19 Mrd. m3 jährlich, China sind ab 2009 30 Mrd. m3 pro Jahr vertraglich für einen Zeitraum von 30 Jahren zugesichert. 2010 sollen 13 Mrd. m3 nach China fließen, ab 2013 die vollen 30 Mrd. m3 ausgeschöpft werden.
Turkmenistans nachgewiesene Erdgasreserven betragen 2.900 Mrd. m3, die wahrscheinlichen 7.500 Mrd.m3.
Mit der Erschließung von Turkmenistans größtem Erdgasfeld "South Iolotan" (Kapazität  je nach Schätzung 4.000 Mrd. mbis 14.000 Mrd. m3) wurden Anfang 2010 die Konzerne LG + Hyundai Engineering (Südkorea), CNPC (China), Petrofac International LLC + Gulf Oil  Gas (VAR) beauftragt.

Aserbaidschans staatlicher Energiekonzern SOCAR liefert ab 2011 pro Jahr 2 Mrd. m3 Erdgas (bisher 1 Mrd. m3) an Russland. Als Land mit den größten Erdgasreserven benötigt Russland das Gas nicht, sondern will es künftig den NABUCCO- Betreibern entziehen.

Obwohl es keine Vereinbarungen mit zukünftigen Erdgaslieferanten gibt, unterzeichneten Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Türkei am 13. Juli 2009 einen Vertrag über den Bau der Erdgasleitung NABUCCO.
Ursprünglich geplante Inbetriebnahme: 2014. Im Okt. 2010 revidiert auf 2015, im Mai 2011 revidiert auf 2017.
Erhoffte Lieferanten: Iran, Aserbaidschan, Irak, Turkmenistan.
Sofern überhaupt jemals Gas durch die Pipeline fließt, verfügt dann die Türkei über tolles Erpressungspotential. Als Vorbild dient die, von der Ukraine und Russland jeden Winter inszenierte, Rohr-zu-Rohr-auf-Strategie.
NABUCCO wird etwa 3.300 km lang, genauer Verlauf noch offen - geplant: Osttürkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn. Österreich. Zwei Versorgungsleitungen ("Feeder") werden NABUCCO Gas zuleiten. Beide Leitungen beginnen in Erzurum (Osttürkei). Eine verläuft nach Nordosten Richtung Georgien + Aserbaidschan, die zweite nach Süden in Richtung Irak.
Als die Streckenführung 2010 geändert wurde, wuchs die Pipeline auf 3.900 km.
Die ursprünglich geschätzten Kosten von 7,9 Mrd. Euro werden wohl nicht eingehalten. BP spricht von 14 Mrd. €. Quelle: "The Guardian" Feb. 2011
Finanzierung: 4 Mrd. Euro stellt ein internationales Bankenkonsortium (Europäische Investitionsbank, Europäische Bank für Wiederaufbau, Weltbank,...) als Darlehen zur Verfügung, je 400 Mio. leisten die sechs beteiligten Unternehmen, Kreditgeber für 1,5 Mrd. noch gesucht.
Baubeginn: mehrmals verschoben, letzter Stand 2013
2017 sollen jährlich 8 Mrd.
m3 Gas fließen, ab 2020 31 Mrd. m3.

BP überlegt den Bau einer 1.300 km langen Leitung, Bezeichnung SEEP (South-East-Europe-Pipeline), die mit bestehender Infrastruktur verbunden werden soll. Erdgas aus Aserbaidschan soll durch sie nach Österreich fließen.

Seit April 2010 baut Deutschland gemeinsam mit Gazprom (wie die Vergangenheit gezeigt hat, ein seriöser, vertragstreuer Partner) die Ostsee-Pipeline NORTH STREAM, an die kein Drittstaat angeschlossen sein wird. Geschätzte Kosten: 7,4 Mrd. Euro. Symbolischer Start der Verlegung mit der Verschweißung zweier Rohre die mit "Europa" bzw. "Russland" beschrieben waren (wie man sieht, neben England fühlt sich auch Russland nicht zu Europa gehörig).
Ab Winter 2011 sollen 27,5 Mrd.
m3 jährlich durch die Leitung fließen, davon waren im März 2010 bereits 23 Mrd. m3 (an D, F, DK, GB) verkauft. Ein zweiter, gleich großer Strang soll folgen.
NORTH STREAM ist 1.224 km lang, von Wyborg (RU) bis Lubmin (D). Jedes Leitungsrohr misst 12 m und wiegt 24 Tonnen, wobei die Hälfte des Gewichts auf eine Betonummantelung entfällt, die aufgebracht wird, damit die Leitung stabil auf dem Meeresboden ruht.
Während der Bauzeit verbilligte sich der Gaspreis massiv. Dennoch gelang es Gazprom den Preis für sein Gas  weiterhin an den Ölpreis zu koppeln. Langfristige Abnahmeverträge sorgen dafür, dass die Konsumenten noch sehr lange überhöhte Preise zahlen dürfen.
Dann können pro Jahr 55 Mrd. m3 transportiert werden. Die Lieferverträge mit Gazprom haben eine Laufzeit von 22 Jahren.

Die Streckenführung der SOUTH STREAM, der russischen "Konkurrenz"-Pipeline zu NABUCCO, umgeht ebenfalls die Ukraine. Sie wird von Gazprom betrieben, zu deren Projektpartner neben der italienischen ENI und einigen Osteuropäern auch die OMV zählt, die damit ihr Engagement bei NABUCCO konterkariert (oder besonders schlau ist?). SOUTH STREAM führt von Russland durch das Schwarze Meer nach Bulgarien, wo die Leitung geteilt wird. Ein Zweig führt nach Italien, der andere nach Österreich. Im März 2011 schloss sich die BASF-Tochter Wintershall mit 15 % dem Konsortium an, das SOUTH STREAM durch das Schwarze Meer verlegt und betreibt.
Geschätzte Kosten: 16 bis 24 Mrd. Euro.
In einem Abkommen zwischen Russland und Österreich (NR: GP XXIV RV 928 AB 998 S.86 - Staatsvertrag - 02; 24. 4. 2010) zu SOUTH STREAM verspricht die russische Seite im Artikel 4, dass sie sich "nach besten Kräften bemühen wird, ...  zuverlässige Gaslieferungen an die Republik Österreich sicherzustellen" und "... werden einen gesonderten langfristigen Gasliefervertrag über 2 Mrd.
m3 pro Jahr zu Marktbedingungen abschließen."

Die MACKENZIE-Pipeline (Kanada) soll Erdgas von der Eismeerküste über 1.196 km nach Süden transportieren. Zusammen mit einer 457 km langen Leitung für Flüssiggas wird sie 16 Mrd. kanadische $ (12 Mrd. € Kurs 12/2010) kosten.
Im MACKENZIE-Delta hat man drei On-Shore-Gasfelder ("On-Shore" = Küstenvorland) gefunden, aus deren Gasvorräten (160 Mrd. m³)  täglich bis zu 34 Mio. m³ durch die Pipeline fließen sollen.
Entlang der Pipeline werden noch unentdeckte Reserven von rund 1.500 Mrd. m³ vermutet.

Nach einer Studie der Internationalen Energieagentur (Juni 2006) wird ein Fünftel der weltweiten Stromproduktion für Beleuchtungszwecke verwendet. Das entspricht in etwa jener Strommenge, die alle Gaskraftwerke auf der ganzen Welt erzeugen. Die Kosten dafür betragen jährlich 360 Milliarden Dollar.

Schiefergas (auch Shale-Gas oder nicht konventionelles Gas)
Schiefergestein kann Erdgas in kleinen Bläschen enthalten, wird ein Vorkommen angebohrt, entweichen die Gasbläschen nicht automatisch. Die weltweiten Vorräte dürften riesig sein.
Gewinnung: Mit hohem Druck wird ein Wasser-Lösungsmittel-Sandgemisch in die mehrfach horizontal aufgebohrten Schieferschichten gepresst. Durch den Druck entstehen Risse im Gestein, der Sand verhindert, dass diese sich wieder vollständig schließen. Danach kann das Gas entweicht. Der Austritt kann aber auch mehrere Monate benötigen, wenn das Gas an organisches Material gebunden ist.
Vorkommen: Schon heute werden an die 10 % der Inlandsförderung der USA aus Schiefer gewonnen. Das Barnett Shale in Texas liefert 60.000 m³  täglich. Über vier Bundesstaaten erstreckt sich das Marcellus Shale, in dem zwischen 7 und 14 Billionen m³  Erdgas lagern sollen, 10 % davon förderbar. Es wäre das zweitgrößte Erdgasvorkommen der Welt und könnte den Eigenbedarf der USA für 90 - 120 Jahre zur Gänze decken.
Ebenfalls 14 Billionen m³  Erdgas sollen im Schiefergestein unter Westeuropas Oberfläche lagern, weitere große Vorräte in Ostmitteleuropa.

Bereits 2011 stammten mehr als 50 % des in den USA geförderten Erdgases aus nichtkonventionellen Quellen. Nach Jahrzehnten der Importabhängigkeit konnten die Amerikaner sogar Erdgas exportieren.

 

Tankstelle für Flüssiggas. Bild: NETSCHOOL Bei minus 161° Celsius verflüssigtes Erdgas (LNG - Liquefied Natural Gas) nimmt einen 600mal geringeren Raum ein als gasförmiges. Dadurch eignet es sich sehr gut für den Transport mit Tankschiffen. Die Kosten für die dazu erforderlichen Einrichtungen - ein Verflüssigungsterminal kostet 2 Milliarden Dollar, die Rückverdampfungsanlage 1 Milliarde Dollar - sind jedoch beträchtlich. Tankschiffe gibt es ab 200 Millionen €, auch keine Kleinigkeit.
LNG macht unabhängig von politischer Willkür unterworfener transnationaler Pipelines.
Die Mehrkosten des Flüssiggases heben sich bei Transportdistanzen über 3.000 km auf, bei dieser Strecke entsprechen sie ungefähr den eingehobenen Pipeline-Gebühren.
Rund 30 % (226 Mrd. m3) beträgt der Anteil von Flüssiggas an der weltweiten Gasproduktion. Statistisches Jahrbuch BP 2007
 

[Bild links:
Zapfsäule für mit Flüssiggas betriebene PKW und LKW. Bild: NETSCHOOL]
China hat schon vorgesorgt. Ab 2013 erhält es von Australien jährlich 2 bis 3 Mio. t LNG - über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren. Vertragswert: 24 bis 30 Mrd. €.
Australien produziert knapp 10 % des weltweiten LNG Bedarfs.
Das russische Sachalin-2-Projekt erzeugt ab 2010 ~10 Mio. t LNG (= 5 % der WP), zwei Drittel hat sich Japan, mit 70 Mio. t der weltweit größte LNG-Importeur, vertraglich gesichert.
Katar wird bis 2011 seine LNG -Produktion auf 77 Mio. t steigern (2009: 30 Mio. t)
Exxon-Mobil und die australische Oil Search werden ab 2014 in Papua-Neuguinea über einen Zeitraum von 30 Jahren jährlich 6,6 Mio. t LNG erzeugen. Das Erdgas wir über Pipelines aus dem Hochland nach der Hauptstadt Port Moresby transportiert und dort verflüssigt. Papua-Neuguinea ist an Oil Search mit 17 % beteiligt.

85 Prozent des LNG sind über langfristige Verträge verkauft, 15 Prozent werden auf dem Spotmarkt zu tagesaktuellen Preisen gehandelt.
Ende 2008 waren rund 250 Flüssiggas-Tanker mit einem Fassungsvermögen zwischen 90 und 160 Mio. m3  (bezogen auf gasförmiges Erdgas) im Einsatz. In Europa können sie ihre Fracht bei 15 LNG-Terminals löschen. 12/08

Gashydrate (Clathrate) sind feste, aus Eis und Gas (Methan) bestehende Verbindungen. Sie entstehen bei Temperaturen unter 5 Grad unter hohem Druck (>50 bar). Bedingungen, die in den Permafrostböden Alaskas, Kanadas und Sibiriens sowie im Meersboden herrschen.
Die weltweit in Gashydraten enthaltenen Gasreserven belaufen sich auf 1.500 Billionen m3 , sechsmal (!) mehr als die bekannten Erdgasvorräte.

 

Die Bedeutung und damit der Preis der Steinkohle nehmen zu. Ursache sind die stetig steigenden Erdölpreise, die starke Stahl-Nachfrage und die weiterhin dominierende Stellung der Kohle bei der Stromproduktion.
Der Referenzpreis für eine Tonne Steinkohle lag 2009 bei 70 $ (46 €). Auf dem Spotmarkt wurden über 80 $ erzielt.
2010 wird ein Referenzpreis von 85 $ (56 €) erwartet.
Laut Internationaler Energieagentur (IAEA) wird der Kohleverbrauch bis 2030 weiter zunehmen. China und Indien werden dann 80 % der weltweit verfügbaren Kohle verbrauchen.
15 % der Weltförderung werden international gehandelt.
70 % der in China verbrauchten Energie stammen aus der Verbrennung von Kohle. Quelle: Chines. Land- + Rohstoffminist. 2009 Mehr als 90 % des polnischen Stroms werden aus eigener Steinkohle erzeugt.

Abhängig von der Konjunktur und den Wetterbedingungen benötigt Österreich jährlich 2,5 bis 3 Mio. t Kessel- und Kokskohle. 1,5 Mio. t kommen aus Polen, 800.000 t aus Tschechien, der Rest aus dem GUS-Raum. Die für die Stahlerzeugung benötigte Kokoskohle kostete pro Tonne im Juni 2008  ~245 € inkl. Fracht.
 

In den USA und in Deutschland* wird etwa die Hälfte der elektrischen Energie aus Kohle gewonnen, in Australien > 75 %, in Polen sogar fast 95 %. Weltweit beträgt der Kohleanteil bei der Stromerzeugung knapp 40 %. Mit großem Abstand folgt Erdgas an zweiter Stelle (19 %).
*Deutschland 2009:
24 % des erzeugten Stroms stammen aus Braunkohle und 18 % aus Steinkohle. Atomstrom folgt mit 23 %, erneuerbare Energien steuern 16 %, Erdgas 13 % bei.  Quelle: Bundesverband Braunkohle, AG Energiebilanzen
2008 fördern die deutschen Gruben 17 Mio. Steinkohleneinheiten (SKE), die Förderkosten pro Tonne SKE betragen 151 €, ein Betrag, der Anfang des Jahres knapp 60 € unter dem Weltmarktpreis lag. Kontinuierliche Preissteigerungen lassen sogar die Hoffnung auf Einstellung der staatlichen Subventionen aufkommen.
Die EU zahlt unbeirrt brav weiter ihre Steinkohlensubvention, 2008 waren es gesamt 3,3 Mrd. €, davon bekam Deutschland 2,1 Mrd. €, Spanien 836 Mio. €, Rumänien 110 Mi. €, Polen 91 Mio. €, Ungarn 42 Mio. €.


Die Produktion einer Tonne Stahl erfordert 600 kg Steinkohle.

Mit einer Jahresproduktion von 2,8 Mrd. t (2007) ist China Weltmarktführer, die USA mit 990 Mio. t (2006), Indien 427 Mio. t und Australien 309 Mio. t folgen mit großem Abstand. Die Weltförderung betrug 5,37 Mrd. t. WCI (World Coal Institute) 2006 www.worldcoal.org, Verein der Kohleimporteure 2006
China plant die jährliche Fördermenge bis 2015 auf 3,3 Mrd. t zu erhöhen.Quelle: Chines. Land- und Rohstoffminist. 2009
Die Jahresproduktion in Deutschland wird von 24 Mio. t (2006) bis 2012 auf 12 Millionen sinken. Dann werden nur noch vier Zechen (Stand 2007:acht Zechen) in Betrieb sein. Grund: der Kohleabbau wird mit 2,4 Mrd. Euro jährlich vom Staat subventioniert (Stand 2007). Für 2018 plant Deutschland die endgültige Schließung aller Gruben.
Von den weltweit verbrauchten 5,37 Mrd. t entfielen auf Asien 63 %, USA + Kanada benötigten 19 %, Europa begnügte sich mit 7 %. WCI 2006
Chinas Wirtschaftswachstum ließ den Kohlebedarf auf 3 Mrd. t steigen und das Land 2008 vom Exporteur zum Importeur werden.
Weltgrößter Exporteur ist  Australien (Exporte 2005 231 Mio t, im Budgetjahr 2008/09 waren es 264 Mio t im Wert von 58 Mrd. austr. $ = 36,4 Mrd. € Kurs 11/09,  Anteil an Australiens Gesamtexporten: 19 %) vor Indonesien (Exporte 2005 108 Mio t), Südafrika (Exporte 2005 73 Mio t) und Russland (Exporte 2005 76 Mio t) kommen.
2006 importierten Japan (178 Mio t), Südkorea (80 Mio t), Taiwan (64 Mio t), GB (51 Mio t), Deutschland (41 Mio t) und Indien (41 Mio t) die meiste Kohle. WCI 2006
Bei gleich bleibendem Verbrauch reichen die Kohlevorräte (weltweit 980 Milliarden Tonnen) noch 200 Jahre - die BP Statistical Review of World Energy Juni 2007 prognostiziert 150 Jahre.
2009 spricht der Bericht von 826 Mrd. Tonnen Weltvorräten und einem Zeithorizont von 122 Jahren.
Bei den Vorräte führt mit 27 % die USA, gefolgt von Russland (16 %) und China (12 %).

In Moçambique liegen die größten - noch unerschlossenen - Kohlevorkommen der Welt. 23 Mrd. Tonnen befinden sich in der Region rund um die Stadt Moatize. Ab 2011 will Vale dort 2 Mio. t, später 10 Mio. t pro Jahr gewinnen. Gleiches plant die indische Ncondezi. Riversdale beginnt 2011 mit 5,3 Mio. t und will den Abbau auf 20 Mio. t. steigern.
Südafrika besitzt Kohlevorräte von
120 Mrd. t, jährlich fördert es 300 Mio. t (Platz 6 in der Weltrangliste), davon gingen >60 Mio. t in den Export.
In Tansania freuen sich die Chinesen über Lagerstätten von
500 Mio. t Kohle bei der Stadt Mchuchuma.
Chinas größter Kohleproduzent Shenhua ist führend an einer Unternehmensgruppe beteiligt, die sich im Juli 2011
40 % am westlichen Tsankhi-Block der Kohlegrube Tavan Tolgoi (Mongolei) gesichert hat.
1,2 Mrd. t Kohle, davon 65 % Kokskohle, lagern hier.
Für mehrere hundert Jahre reichen die Vorkommen in Simbabwe.


 

Kohle war schon einmal ganz groß da.
In einem Inserat der Firma RUHRKOHLE vom Oktober 1959 wird auf die Bedeutung und vielseitige Nutzung der Steinkohle hingewiesen:
Überall in unserem täglichen Leben brauchen wir Eisen, brauchen wir Stahl. Stahl und Eisen können wir nur mit Hilfe der Kohle gewinnen. Ohne Kohle gäbe es viele Dinge nicht, die für uns heute selbst- verständlich sind. Kohle ist als Grundstoff ebenso unentbehrlich für Medikamente wie für Textilfasern, für Kunststoffe und Filme, für Waschmittel und tausend andere Dinge mehr.
 
Kohle

 
Fundament
von Wirtschaft,
Wohlstand
und Fortschritt
 

Für die Produktion all der Güter, die wir brauchen, um angenehmer und besser zu leben, braucht unsere Wirtschaft Tag für Tag, Stunde für Stunde große Mengen an Energie. Fast neun Zehntel davon werden aus Kohle gewonnen.
Daß unser Lebensstandard wächst, daß es uns allen besser geht - die Kohle war und ist Voraussetzung und festes Fundament von Wirtschaft und Wohlstand. Sie ist immer wirtschaftlich, immer greifbar, immer sicher, immer zur Hand - unsere Kohle!
 

Es geht nicht ohne Kohle
 

RUHRKOHLE

 

Bei der Kohleverflüssigung (Coal-to-Liquid-Verfahren) erhält man Erdöl bzw. Erdölprodukte. Sie wird ab einem Erdölpreis von 60 $ / Barrel wirtschaftlich. Allerdings nur, wenn man die enormen Umweltbelastungen nicht in Rechnung stellt.
Derzeit gibt es Verflüssigungsanlagen in Südafrika. In China und Australien ist ihr Bau geplant.

 

Zu Erdöl und Erdgas gibt es Alternativen. Die ganz Böse - Atomkraftwerke, die nur Böse -Kohle (siehe oben) und die Guten - Solarenergie, Windkraft, Gezeitenkraft und Wasserkraft. Kohle deckt derzeit noch 20 % des Weltenergieverbrauchs, Atomkraftwerke und Wasserkraftwerke jeweils 7 %

Die Zeit der umweltfreundlichen Energiegewinnung wird erst kommen, wenn der Erdölpreis so richtig weh tut oder irgendwann einmal die Erdölquellen versiegen. Jedoch: wenn Erdöl nicht mehr sprudelt, wird den Amerikanern wieder einfallen, dass es allein in Nordamerika riesige Vorkommen an Ölsanden und Ölschiefern gibt. Daraus kann man 400 Milliarden Tonnen Öl zu Förderkosten von 40 US-Dollar pro Barrel (das wird man dann schon bezahlen) gewinnen. Die reichen für weitere 130 Jahre. Und bis dahin bin ich schon alt.

 

Atomenergie
  

Demonstration gegen das AKW-Temelin. Ort: Ballhausplatz Datum: 31. Jänner 2007. Bild: NETSCHOOL Unser Freund, das Atom - oder so ähnlich - hieß ein Film, der in den Fünfzigern dem ehrfürchtig staunenden Publikum eine strahlende (damals noch ohne Doppelsinn) Zukunft in Aussicht stellte. Die Atomenergie, als Flaschengeist mit dem Oberkörper eines Bodybuilders dargestellt, wurde als unerschöpfliche Energiequelle gepriesen, deren friedliche Nutzung uns von unzähligen irdischen Lasten befreien würde.
Bild links: Demo gegen AKW-Temelin vor dem Bundeskanzleramt am 31. 1. 2007
 
Mit reichlich Optimismus und  - auf Grund der weltweit üppig veranstalteten Atombombentests - rapide angestiegener Radioaktivität, spazierten wir glücklich durch Stadt und Land. Während uns der radioaktive Fallout der diversen atmosphärisch, oberirdisch, unterirdisch oder unterseeisch gezündeten Atombomben den Körper auflud, trieb uns das so uneigennützig um unser Wohl bemühte „gute“ Atom Dankbarkeitstränen ins Auge.
 

Auf die versprochenen „Atomsklaven“, die uns von der lästigen Arbeit im Haushalt und in der Industrie befreien sollten, warten wir noch. Wenigstens die Rolle als Energielieferant versuchte der Flaschengeist zu erfüllen. Spätestens seit den Unfällen von Harrisburg (Kraftwerk "Three Mile Island" 1979) und Tschernobyl (1986) steht es jedoch um sein Image nicht mehr zum besten. 

2008 deckten die weltweit 438 Kernkraftwerke 16 % (= 2.658 Mrd. kWh) des Stromaufkommens. 32 waren im Bau, 74 fest geplant . Quelle: WNA World Nuclear Association
20
11 erzeugten weltweit 438 Reaktoren, verteilt auf 212 AKW in 30 Staaten, 3.707 Mrd. kWh. 56 waren im Bau, sie sollten pro Jahr 519 Mrd. kWh leisten.  Quelle: IEA, IAEA

In den USA gibt es 104 (die Hälfte davon ist mehr als dreißig Jahre alt. Die Anlagen erhielten 2007 eine Betriebsgenehmigung für weitere 30 Jahre), sie liefern 20 % des benötigten Stroms. 30 AKW sind geplant und bei der Atomaufsicht beantragt. Senator Lamar Alexander (Tennessee) forderte den Bau von 100 AKW (Gesamtkosten 600 Mrd. bis 1 Billion $).
Zum Zeitpunkt des Harrisburg-Zwischenfalls war das AKW Bellefonte ( Alabama/Tennessee) zur Hälfte fertig, dennoch wurde die Arbeit sofort eingestellt. Seither dient Bellefonte (Baukosten 4,5 Mrd. $) als Ersatzteillager für andere Kraftwerke und teilt damit das Los des sogar fertigen, aber nie in Betrieb genommenen AKW-Zwentendorf (Österreich).

6 % der Stromimporte Österreichs stammen aus AKW. Stand 2011

Die Schweiz erzeugt ihren Strom zu .. % aus
Fossile Energie: 1,3 %   Wasserkraft: 55 %   Kernenergie: 40,1 %   Erneuerbare Energieformen: 3,6 %  IAEA 1. 1. 20
08

Japan deckt mit 54 Reaktorblöcken (an 17 Standorten) 25 % seines Energiebedarfs. 8 sind in Bau, 14 in Planung. Als Folge des Bebens im März 2011 wurden am Standort Fukushima Daiichi 3 Reaktoren (die gemeinsam ~2.000 MW leisteten) zerstört, in einem bereits stillgelegten vierten brach ein Brand aus.
 
In Frankreich erzeugen 59
Reaktoren 76 % des Strombedarfs  - derzeit 1 AKW im Bau (Flamanville, Normandie) 2 weitere geplant.
Frankreichs Energiehaushalt lt. IAEA 1. 1. 2011
Fossile Energie:
9,6 %   Wasserkraft: 11,9 %   Kernenergie: 76,4 %   Erneuerbare Energieformen: 2,1 %

In Russland  sorgen 31 Reaktoren für die Deckung von 16 % des Stromverbrauchs. Russland will bis 2030 26 AKW bauen und damit den Anteil an der Stromproduktion auf 35 % verdoppeln. Ab 2020 sollen Schnelle Brüter zum Einsatz kommen. Dieser AKW-Typ nutzt statt leicht angereichertem Uran Plutonium und Thorium, die einen höheren Wirkungsgrad haben und weniger radioaktiven Abfall produzieren.

In Schweden wo 3 AKW mit insgesamt 10 Meilern 50 % des Stromaufkommens abdecken, war 1980 der Atomausstieg per Gesetz für 2010 festgelegt worden. Am 17. Juni 2010 hob das Parlament das Gesetz auf und erlaubte den Betreibern an den drei Standorten die alten Meiler durch 10 moderne zu ersetzen.

Finnland verfügt über 4 Reaktoren und baut an einem fünften- Olkiluoto 3, dessen Indienstnahme 2009 vorgesehen, mittlerweile aber auf 2013 verschoben werden musste. Immer strengere Sicherheitsvorschriften haben die Baukosten von 3 Mrd. € auf 52 Mrd. € steigen lassen.
Im Juli 2010 beschloss das Parlament die Baugenehmigung für weitere zwei AKW. Damit sollen die Klimaziele erfüllt und die Abhängigkeit von russischen Energieimporten verringert werden.
2009 wurden 28%
Strombedarfs aus Kernkraft, 16 % aus Wasserkraft, 25 % aus fossilen Energieträger erzeugt.
2016 sollen 35 % des Strombedarfs durch AKW gedeckt werden.



Die 17 AKW in Deutschland produzierten im Jahr 2008 140.709 GWh.
AKW-Betreiber sind: Eon, RWE, EnBW, Vattenfall.
2022 sollte der letzte Reaktor abgeschaltet werden.
Die Regierung Merkel II hat 2010 die Laufzeiten für Kraftwerke, die vor 1980 gebaut wurden um 8 Jahre, für später gebaut um 14 Jahre verlängert.
2011 beschloss die Regierung Merkel II den Ausstieg aus der Kernkraft.
Deutschlands Energiehaushalt lt. IAEA 1. 1. 2011
Fossile Energie:
60,8 %   Wasserkraft: 4,2 %   Kernenergie: 23,3 %   Erneuerbare Energieformen: 11,6 %


In der Schweiz sind
5 Reaktoren in Betrieb, 2 weitere geplant.
Geschätzte Kosten pro AKW: 6 Mrd. CHF. Der Lauf durch die Institutionen und die Zustimmung durch das Volk vorausgesetzt wird den Baubeginn auf 2017 hinauszögern. Errichtungsdauer bis zu 6 Jahre.
Die bestehenden verfügen über unbefristete Betriebsbewilligungen.

Die Tschechische Republik errichtet auf dem Gelände des Kernkraftwerks TEMELIN, das derzeit über 2 Reaktoren verfügt, 2 weitere Reaktoren (Block 3 + 4).
Die Umweltverträglichkeitsprüfung nach tschechischem Recht mit Beteiligung Österreichs war zwingend vorgeschrieben. Die Umweltverträglichkeitsdokumentation konnte auf den Websites der Bundesländer nachgelesen werden. Schriftliche Stellungnahmen von Bürgern wurden an die tschechische Behörde weiter geleitet. (Amtsblatt in der WZ Seite 30, 26. Aug. 2010)
Ein zweites AKW mit 4 Reaktoren steht in Dukovany.

In der Slowakei stehen 2 AKW ( Bohunice + Mochovce) mit je 2 Reaktoren.
4 Reaktoren hat das ungarische AKW Paks.
Slowenien hat 1 AKW ( Krško) mit einem Reaktor.


Belgische AKW, deren Stilllegung gesetzlich vorgesehen 2015 erfolgt wäre, werden laut Regierungsbeschluss im Nov. 09 noch bis 2025 betrieben.
Italien verfügt über kein AKW, die Errichtung von 4 bis 5 ist geplant. 2013 soll mit dem Bau des ersten europäischen Druckwasserreaktor begonnen werden.
Bulgarien
und Rumänien betreiben  je 2 AKW, jeweils 2 sind in Planung. Das AKW im bulgarischen Belene baut  + finanziert die russische Atomstrojexport
.
Polen möchte bis 2020 sein erstes AKW fertig gestellt haben.

Zu den derzeit betriebenen 19 Reaktoren sollen in Großbritannien 6 bis 15 hinzukommen.
Kanada hatte nach Reaktivierung bereits stillgelegter Reaktoren 2009 18
Reaktoren in Betrieb.

Litauen legte sein einziges AKW am 31. 12. 2009 still und kam damit einer Verpflichtung gegenüber der EU nach (Beitrittsvoraussetzung). Damit wurde Ignalina von einer Minute auf die andere vom wichtigsten Stromerzeuger des Landes zu einem der größten Verbraucher, denn Brennstäbe müssen ständig gekühlt und Unterhaltsarbeiten vorgenommen werden. Als erstes AKW weltweit wird bei Ignalina ein Rückbau erfolgen. Das wird 30 Jahre dauern und ~3 Mrd. € kosten. Viel Geld, damit man am Ende wieder das bekommt, was vor dem Bau an dieser Stelle war: Gras und Blumen.
Die Errichtung eines neuen AKW (gemeinsam mit Lettland, Estland + Polen) ist geplant.

Russland plant bis 2020 seinen momentanen Bestand (31) zu verdoppeln und dann 25 % seines Strombedarfs daraus decken. 7 AKW sind derzeit im Bau.
Spaniens 8
AKW liefern 20 % des nationalen Strombedarfs. Das älteste AKW, Garoña, hatte 2009 die von der Politik verordnete maximale Betriebsdauer von 40 Jahren erreicht, bekam jedoch eine Laufzeitverlängerung um 3 Jahre.

Italien hat 1987 die Abschaltung aller Atomkraftwerke beschlossen (Ergebnis einer Volksabstimmung). Die amtierende Regierung Berlusconi hat 2008 den Beschluss aufgehoben und plant den Bau von 13 Reaktoren. 2013  soll(te) mit dem Bau des ersten europäischen Druckwasserreaktor begonnen werden. 2020 die ersten Inbetriebnahmen erfolgen. 4/2011 wurden (bis zum nächsten Regierungswechsel?) die Pläne gestoppt.
Eine Volksabstimmung im Juni 2011 fegte die Pläne vom Tisch: mehr als 90 % der Stimmen waren gegen  Atomenergie.
Italiens Energiehaushalt:
80 % der inländischen Stromproduktion werden aus Fossilen Energieträgern (davon 50 % aus Erdgas) gewonnen, 18 % aus Erneuerbaren Energieformen (davon 80 % aus Wasserkraft), 15 % des Strombedarfs werden durch Kernenergie
(geliefert von AKW in der Schweiz und Frankreich) gedeckt.

China hat 13 Reaktoren in Betrieb (Gesamtleistung 10 Gigawatt Stand 12/2010), 26 werden derzeit errichtet bzw. sind projektiert (mit gesamt 25,4 Gigawatt) und sollen bis 2020 max. 4 % des Strombedarfs erzeugen. Weitere Kapazitäten mit gesamt 60 GW sind in Planung.
Anfang 2011 teilte China der Welt mit, dass seinen Technikern ein "Durchbruch" bei der Wiederaufbereitung von Atommüll gelungen sei. Damit reichen Chinas Uranbestände statt wie bisher für maximal 70 nun für 3.000 Jahre.

Indien betreibt 6 AKW (Standorte: Narora, Rajasthan, Kakrapar, Tarapur, Kaiga, Madras) mit gesamt 19 Reaktorblöcken, 3 AKW (Standorte: Kaiga, PFBR, Kudankulam) mit gesamt 6 Reaktorblöcken sind im Bau. Quelle: IAEA 2010
In den nächsten 25 Jahren sollen 25 AKW mit einer Gesamtleistung von 40 bis 60 Gigawatt gebaut werden. Investitionsvolumen: 200 Mrd. $.
2009 wurden 2 % des Strombedarfs von AKW erbracht.

Pakistan verfügt über 3 AKW (Das bisher letzte, Cashma-2, wurde im Mai 2011in Betrieb genommen)

Die Türkei, bisher AKW-frei, wird bis 2015 über drei AKW verfügen.
Für 20 Mrd. $ soll die russische Atomstroyexport in Akkuyu ein AKW mit vier Reaktoren (Gesamtleistung 4.800 MW) bis 2017 ans Netz bringen. Die Anlage wird in russischem Besitz bleiben!

Ebenfalls eine "weiße AKW-Weste" haben Indonesien und Malaysia. Spätestens 2022 werden ihre heute bekannten Erdgas- und Erdölquellen erschöpft sein. Dann sollen in Indonesien vier AKW zur Energieversorgung beitragen, in Malaysia eines.

Thailand will 2020 sein erstes AKW bauen und hat dafür 6 Milliarden $ budgetiert. Pläne für weiter 4 existieren. Thailands Energiehaushalt lt. IAEA 1. 1. 2011
Fossile Energie:
91,9 %   Wasserkraft: 4,8 %   Kernenergie: 0 %   Erneuerbare Energieformen: 3,3 %

In Südkorea werden 20 Reaktoren betrieben, 6 sind im Bau.
Vietnam
plant 13 AKW.
In 100 km Entfernung zur Hauptstadt steht auf den Philippinen seit 1984 ein fertiges AKW (Kosten: 2 Mrd. $) in einer erdbebengefährdeten Zone herum.

Brasilien errichtet ein drittes Atomkraftwerkes. Es wird neben den bereits aktiven Angra I und Angra II, die 2 % des gesamten Stromaufkommens liefern, gebaut. Angra III leistet 1.400 Megawatt und soll 2016 in Betrieb gehen.
Weitere 4 AKW sind in Planung, bis zu 50 kleinere Atommeiler sollen bis 2050 ans Netz gehen.
Die Uranversorgung ist mehr als gesichert. Mit mindestens 500.000 t verfügt Brasilien über die weltweit sechstgrößten Uranreserven.
75 % der Stromgewinnung entfallen auf Wasserkraft. Stand  2007

In Argentinien arbeiten zwei Reaktoren, ein dritter lief am 28. Sep. 2011 an, den Vollbetrieb nimmt er Mitte 2012 auf. Dann wird sich der Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung von 7 % auf 10 % erhöhen.

Der erste Reaktor im Iran (Bushehr), gebaut von Russland, wurde im August 2010 in Betrieb genommen (die geplante Eröffnung 2007 scheiterte wegen schleppender Zahlungen an die mit dem Bau befassten Unternehmen).  Anfang 2011 sollte er ans Netz gehen, doch mussten wegen technischer Probleme die Brennelemente wieder ausgebaut werden, um Tests und Messungen vorzunehmen.
Am 4. September 2011 wurde er ans iranische Stromnetz im Testbetrieb angeschlossen. Quelle: ISNA
Sechs weitere sollen bis 2015 folgen. Jedoch werden die nachgewiesenen Uranvorräte des Landes bereits 2012, die vermuteten (!) spätestens 2023 aufgebraucht sein.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) investieren 20 Mrd. $ in ihr erstes AKW. Es besteht aus vier Reaktoren, die jeweils 1.400 Megawatt leisten. Der erste Reaktor soll 2017 in Betrieb gehen.

Der Einsatz von Erdöl und Erdgas als politisches Druckmittel, besonders seitens Russlands, und die EU-Richtlinien zur Reduzierung der CO2-Werte lassen AKW wieder als wirtschaftlich und politisch opportun erscheinen.
Jedoch ist zu berücksichtigen, dass die bekannten Uranreserven beim derzeitigen Verbrauch in 60 Jahren erschöpft sein werden. Bei forciertem AKW-Ausbau dementsprechend früher.
Die World Nuclear Association beziffert die Weltreserven mit 5,47 Mio. Tonnen, die für 67 Jahre reichen sollten. Juni 2009

Anfang 2011 waren weltweit 170 Atomkraftwerke in Planung bzw. im Bau: Quelle Arthur D. Little

  • Asien - 71 (326 Reaktoren)
  • Amerika - 35 (54 Reaktoren)
  • Afrika + Mittlerer Osten - 10 (36 Reaktoren)
  • Europa  - 54 (144 Reaktoren)

URAN  (U3O8 - im Handel als Uranoxid-Konzentrat bzw. Yellow Cake nach der Farbe, die das pulverförmige Gemisch der Uranverbindungen hat)
Die Versorgung für ein Atomkraftwerk muss langfristig gesichert sein. Schließlich sind die hohen Bau- und Entsorgungskosten nur dann vertretbar, wenn das Kraftwerk ununterbrochen in Betrieb ist. Deshalb entfällt auf den langfristigen Vertragsmarkt (90 bis 95 % des gesamten Handelsvolumens) der Löwenanteil. Die Verträge erstrecken sich über drei bis fünf Jahre, wegen zunehmender Verknappung auch länger (10 und mehr Jahre).
Käufe auf dem Kassamarkt = Spotmarkt (die restlichen 5 bis10 % des gesamten Handelsvolumens) sehen Lieferungen sechs Monate nach Abschluss vor.
2008 kam der Uranmarkt im Zuge der Finanzkrise leicht durcheinander. Mit 20.000 Tonnen war doppelt so viel Uranoxid-Konzentrat auf dem Markt als in "normalen" Zeiten.
Fällige Terminkontrakte brachten die insolvente Bank Lehmann Brothers in den Besitz von 227 Tonnen Yellow Cake, einer Menge, mit der ein Atomreaktor ein Jahr lang betrieben oder eine Atombombe gebaut werden kann.
Weltweiter Uranverbrauch 2007: 66.000 Tonnen. Davon stammen 60 % aus der Minenproduktion ("primäres" Angebot, 2006: 40.000 Tonnen), die restlichen 40 % aus dem "sekundären" Angebot, sind hochangereichertes, atomwaffenfähiges Uran (besteht zu mehr als 90 % aus U235) aus den Zeiten der atomaren Abschreckung, das abgereichert wird (auf einenU235-Gehalt von 3 - 5 %), sowie Uran aus den Lagerbeständen von Atomkraftwerken.
Weltweiter Bedarf 2008: 64.700 Tonnen Schätzung IAEA

Preisentwicklung: Jän. 2001 7 US$/lb / Jän. 07 90 US$/lb / Juli 07 145 US$/lb / Dez. 07 93 US$/lb / Juli 08 64 US$/lb / März 09 50 US$/lb / im März 09 kosteten Futures für 2010 64 US$/lb
Seit Mai 2007 notiert Uran an der NYMEX
*

Größte Lagerstätten: Australien (40 %! - dennoch gibt es in Australien KEIN AKW), USA, Kanada, Niger, Kasachstan, Namibia, Südafrika, Brasilien, Russland, Ukraine, Usbekistan

Größte Uranminen (Staat; Besitzer; Produktion 2010): McArthur River (Kanada; Cameco - der weltweit größte Uranproduzent; 7.654 t); Ranger (Australien; Rio Tinto; 3.216 t); Rossing (Namibia; Rio Tinto; 3.077 t); Kraznokamensk (Russland; ARMZ; 2.920 t); Arlit (Niger; Somair / Areva; 2.650 t); Tortkuduk (Kasachstan; Katko JV / Areva;2.439 t); Olympic Dam (Australien; BHP Billiton; 2.330 t).

Produzenten: Kanada (29 % der WP), Australien (23 %), Kasachstan (10 %), Russland (8 %), Namibia (8 %), Niger (7 %; 2010: 4.200 t), Usbekistan (6 %), USA (2 %), ... siehe Tabelle weiter unten   Quelle: WNA / Rohstoff-Report

2010 schloss China einen Liefervertrag mit Kasachstan über den Import von 24.200 t Uran bis 2012.
Die tschechische Regierung hat im Juni 2007 die Verlängerung der Genehmigung des Uranabbaus im Bergwerk Rožná auf unbestimmte Zeit beschlossen. In Tschechiens Lagerstätten befinden sich noch 115.000 t Uran mit einem Marktwert von 18 Mrd. € Kurs 3/09.
Zwischen 1946 und 1992 war das Land weltweit fünftgrößter Uranproduzent. Damalige Rangliste: 1. USA, 2. Kanada, 3. DDR. Quelle: Nuclear Information and Resource Service
Das australische Bergwerk Olympic Dam ist die weltweit größte Uranlagerstätte, Besitzer ist
BHP Billiton.
Ertragreichste Mine der Welt ist McArthur (Saskatchewan, Kanada) mit einer Jahresproduktion von 7.200 t (18 Mio. Pfund).
Weltweit führender Uranproduzent ist das kanadische Unternehmen Cameco. Mit Abstand folgen Areva, Rio Tinto und BHP Billiton.
Cameco und die australische Paladin Energy sicherten sich 2010 die Explorationsrechte an den Minen Angela und Pamela in Zentralaustralien. Erwartete Uranausbeute: 13.000 t (28,6 Mio. lb); Reinheitsgehalt: 1,4 %
 

Preisentwicklung: Jän. 2001 7 US$/lb / Jän. 07 90 US$/lb / Juli 07 145 US$/lb / Dez. 07 93 US$/lb / Juli 08 64 US$/lb / März 09 50 US$/lb / im März 09 kosteten Futures für 2010 64 US$/lb  1lb = 454 Gramm / Spotmarkt im Feb. 2010 42 US$/lb / März 11 70 US$/lb / Nov. 11 53 US$/lb.
Seit Mai 2007 notiert Uran an der NYMEX*

Auf den ersten Blick scheint Österreich fein raus. Ein AKW wurde zwar gebaut, seine Inbetriebnahme aber per Volksabstimmung verhindert. Atomstrom „konsumieren“ wir trotzdem: ein Fünftel unseres Stromverbrauchs wird aus Kernkraftwerken gedeckt.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurden 2007 16 % der weltweiten Stromproduktion aus Kernkraft gewonnen.

Drei Anbietergemeinschaften dominieren den AKW-Markt: Westinghouse + GE-Hitachi (USA, Japan), Areva (F), Siemens + Rosatom (D + Ru).

*Seit 7. Mai 2007 wird Uran an der New Yorker Warenterminbörse (NYMEX) gehandelt. Statt der bis dahin von Marktforschungsinstituten ermittelten wöchentlichen Preise ist es nun möglich, den aktuellen Tagespreis auf der Website www.nymex.com abzufragen.
Bisher waren Liefermengen, Lieferterminen und Preisuntergrenzen geregelt.  Die Produzenten schließen zunehmend Lieferverträge auf Basis aktueller Marktpreise ab. Angesichts ständig steigender Preise gefällt das den Betreibern der Atomkraftwerke weniger gut.
Die am längsten laufenden Terminkontrakte haben eine Laufzeit von 36 Monaten.

Teure Träume:
15 Mrd. € haben die EU-Staaten, die Schweiz, USA, Japan, China, Russland, Südkorea und Indien für den Bau des Kernfusion-Versuchsreaktors ITER (International Thermonuclear ExperimentalReactor) bereit gestellt. ITER wird in Frankreich stehen, in seinem Inneren sollen bei extremer Hitze leichte Atomkerne miteinender verschmolzen werden. Dabei wird zehnmal mehr Energie freigesetzt als für die Reaktion aufgewendet werden muss.
ITER soll 2019 seinen Versuchsbetrieb aufnehmen.

 

Atomkraftwerke in Europa - decken ..% des nationalen Strombedarfs

 
BELGIEN 7 54 %   RUSSLAND 31 16 %
BULGARIEN 4 42 %   SCHWEDEN 10 38 %
DEUTSCHLAND 17 24 %   SCHWEIZ 5 39 %
FINNLAND 4 30 %   SLOWAKEI 6 55 %
FRANKREICH 59 76 %   SLOWENIEN 1 39 %
GROSSBRITANNIEN 23 18 %   SPANIEN 9 18 %
LITAUEN 1 72 %   TSCHECHIEN 6 32 %
NIEDERLANDE 1 4 %   UKRAINE 15 51 %
RUMÄNIEN 1 *18 %   UNGARN 4 34 %

*seit Okt. 2007 lt. Regierungsangaben

Quelle: IAEA 2009/10, AG Energiebilanzen / weitere Daten zum Thema: www.kernenergie.de

 

Minenproduktion URAN in t

 
  2009 2010     2009 2010
KASACHSTAN 14.020 17.803   MALAWI 104 670
KANADA 10.173 9.783   SÜDAFRIKA 563 583
AUSTRALIEN 7.982 5.900   INDIEN* 290 400
NAMIBIA 4.626 4.496   TSCHECHIEN 258 254
NIGER 3.243 4.198   BRASILIEN 345 148
RUSSLAND 3.564 3.562   RUMÄNIEN* 75 77
USBEKISTAN 2.429 2.400   PAKISTAN* 50 45
USA 1.453 1.660   FRANKREICH 8 7
UKRAINE* 840 850   WELT gesamt 50.772 53.663
CHINA* 750 827        

*Schätzungen

Quelle: World Nuclear Association

 

Strom aus Wasserkraft
 

Diese Art der Energiegewinnung gehört zu den umweltschonendsten.
In Österreich ist das Wasserkraftpotential schon ziemlich gut genutzt. Gut 60 % unseres Strombedarfs wird durch  Wasserkraft gedeckt. Noch offene Kapazitäten sind aus politischen und rechtlichen Gründen (Naturschutz, Bürger-initiativen, ...) nicht verwertbar. Der Bau des Donaukraftwerks Hainburg wurde 1985 nach monatelanger Besetzung der dortigen Auen abgeblasen. Mit ein Grund dafür, dass Österreich seit 2003 Strom-Nettoimporteur ist.

Neben üppigen Reserven an Erdöl und Erdgas verfügt Russland auch noch über ein riesiges, erst zu 20 % genutztes Wasserkraftpotential.

 

Energie aus Erdwärme
 

  • Die Erdwärme knapp unterhalb der Oberfläche wird mit Hilfe einer Wärmepumpe für die Beheizung von Wohnräumen genutzt.
  • Bei der geothermischen Energiegewinnung wird Wasser durch ein Bohrloch in 200 Grad heiße Gesteinsschichten gepresst. Diese Temperatur ist je nach Gesteinsbeschaffenheit in Tiefen von 5 km bis 10 km erreicht. Zurück an die Oberfläche gepumpt, treibt der Wasserdampf eine Turbine an. An der Methode wird schon seit rund zwanzig Jahren herumprobiert. Große Erfolge sind nicht zu vermelden. Im schweizerischen Basel wurde am 8. Dezember 2006 sogar als "Nebenwirkung" ein Erdbeben der Stärke 3,4 auf der Richter-Skala ausgelöst. Ein Nachbeben der Stärke 3,1 gab es Anfang Jänner 2007, weitere am 16. Jänner (Stärke 3,2) und am 2. Feber (Stärke 3,3).
  • Geothermische Energie nach dem DTE-Verfahren: Wasser wird in einem geschlossenen Rohrleitungssystem durch heiße (250 bis 300 Grad) Gesteinsschichten geführt, heizt sich dabei auf und wird zur Stromerzeugung über Turbinen geleitet.

In Ö. plant die OMV die geothermische Energie still gelegter Erdöl- und Erdgassonden mit einem Bohrlochwärme-austauscher-System für die Erzeugung von Wärme und Warmwasser zu nutzen.

 

Wenn dereinst wegen Nichtverfügbarkeit oder nicht mehr leistbarer Preise gar nix mehr geht, bleiben uns noch Holz und ein kräftiges Lüftchen als letzte Energielieferanten:

   Windräder an der A2 bei Wiener Neudorf. Bild: NETSCHOOL

2006 erzeugten in Deutschland Windkraftanlagen 30,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. Damit ist die Windenergie unter den erneuerbaren Energiequellen führend (die Wasserkraft lieferte 21,6 Milliarden Kilowattstunden, Biomasse 18,5 Milliarden Kilowattstunden). Quelle Dt. Umweltministerium Feb. 2007

 

Biotreibstoffe
 

Bioethanol (Äthylalkohol): hauptsächlich aus Mais, Getreide, Zuckerrohr
Nach dem Prinzip der alkoholischen Gärung wird aus Rohrzucker, Mais und Soja der Alternativtreibstoff Ethanol erzeugt. Als Nebeneffekt werden dem Lebensmittelsektor Rohstoffe künstlich verknappt und damit verteuert. Das trifft besonderes jene armen Bevölkerungsschichten, für die Soja bzw. Mais Grundnahrungsmittel ist.
Das Verfahren ist so teuer, dass Ethanol auf dem Treibstoffmarkt unverkäuflich wäre. Mit großzügiger Unterstützung aus Steuermitteln wird sein Preis auf marktverträgliche Dimensionen heruntersubventioniert. Bis 2017 muss in den USA dem Benzin eine 20%ige Beimischung von Ethanol zugefügt werden. Die US-Regierung hat die amerikanischen Maisfarmer im Jahr 2007 mit 7 Mrd. $ "gesponsert". Dafür hatten sie 85 Mio. t Mais für die Äthanolerzeugung geerntet (2000 waren es 15 Mio. t). Sie verdrängten damit die umweltfreundlichere - weil aus Zuckerrohr gewonnene - Variante aus Brasilien.
Aus 1 t Zuckerrohr gewinnt man 90 Liter Ethanol. Ethanol aus Zuckerrohr enthält neunmal mehr Energie als für seine Produktion erforderlich ist.
Ethanol aus Zuckerrüben oder Weizen liefert nur doppelt soviel Energie als für seine Erzeugung benötigt wird.

Die EU hat sich bis 2010 eine 10%ige Beimischung zum Ziel gesetzt. In Brasilien wurde bereits 2006 der Treibstoffbedarfs zu mehr als 40 % mit Ethanol gedeckt.
Weltweit wichtigste Produzenten sind die USA und Brasilien, die 2006 18,5 Milliarden (2007 25,8 Milliarden Liter)  bzw. 30 Milliarden Litern (= 30 % der Weltproduktion, davon Exporte: 5,8 Milliarden Liter) herstellten. Stand: USA Mai 2007 / Brasilien Juli 2010
Damit entfallen auf die beiden Staaten gemeinsam 70 Prozent der Weltproduktion.
Brasilien produziert Ethanol aus Rohrzucker zu Kosten von 22 US-Cent pro Liter, die USA aus Mais zu Kosten von 30 US-Cent.

In den USA werden zwischen 1. 9. 2010 und 31. 8. 2011 128 Mio. t Mais zu Bioethanol verarbeitet (+ 40 % gegenüber 2009/10) Quelle: Spiegel, US-Landwirtschaftsministerium
Im  Erntejahr 2010/11 musste Brasilien 500 Mio. l Ethanol aus den USA importieren, 2011/12 sogar 1,5 Mrd. Liter.

"Die Energiebilanz, um Mais in Sprit zu verwandeln, sieht alles andere als überzeugend aus. Mit jeder Einheit Energie, die nötig ist, um Mais zu Ethanol zu raffinieren, werden gerade mal 1,3 Energieeinheiten erzeugt. Bei Zuckerrohr liegt dieses Verhältnis hingegen bei eins zu sieben.  Davon, dass die Ethanolerzeugung umwelt-freundlicher sei als herkömmliche Methoden, spricht zudem kaum noch jemand: Angesichts des notwendigen Energieeinsatzes ist der Vorteil in der CO2-Rechnung marginal, zudem steigt bei der Verwendung von Ethanol der Verbrauch auf 100 km." Zitat Handelsblatt 20. Juli 2007
Bei Zucker ist noch kein Engpass zu erwarten. Im Wirtschaftsjahr 2006/07 (Ende 31. März) gab es ein Überangebot von 8,8 Millionen Tonnen, 2007/08 könnten es sogar 9,8 Millionen Tonnen werden.
In Europa sind Zuckerrüben der Ausgangsstoff, die Herstellungskosten betragen 44 €-Cent (55 US-Cent). Kurs 3/2007
In Ö ist die Einführung einer E85 genannten Treibstoffsorte (85 % Ethanol, 15 % Benzin) geplant.
 

Rapsfeld bei Wulkaprodersdorf, April 2007 Biodiesel: hauptsächlich aus Ölsamen
In Österreich wird fast die gesamte Rapsernte für die Erzeugung von Biotreibstoff verwendet. Das freut die Bauern. Ein Hektar Raps liefert 1.000 Liter Biodiesel (Mengenangaben möglicherweise abhängig
von der Interessenslage der Auskunftsgeber?). Die Subventionen fließen üppig.
2006 betrug der Treibstoffbedarf in Ö gut 10 Milliarden Liter (7,5 Mrd. Liter Diesel, 2,6 Mrd. Liter Benzin).
Die Produktion von Biosprit in Österreich hat dazu geführt, dass 2010/11 die Selbstversorgung mit Getreide (Ernte 2010: 4,6 Mio. t) nicht mehr gegeben war.
2011/12 werden in Ö. 25 % der Weizen- und 5 % der Maisernte zu Biosprit verarbeitet. (Getreideernte 2011: 5,3 Mio. t) Quelle: AMA (Agrarmarkt Austria)

Die Produktionskapazitäten in Deutschland werden 2008 5,4 Mio. t betragen  Quelle: Internat. Forum f. Regenerative Energien IWR
Das entspricht 18 % des gesamten Dieselverbrauchs.
 
Paul J. Crutzen (Nobelpreis für die Erforschung des Ozonlochs) hat mit seinem Team ermittelt, dass die Klimabilanz von Biodiesel aus Raps bis zu 1,7 mal schlechter ist, als jene von Benzin! Grund ist die Düngung mit Stickstoff, der zum Teil in Lachgas umgewandelt wird.
Verglichen mit Kohlendioxid (CO2) ist Lachgas (N2O) ein um den Faktor 300 stärkeres Treibhausgas. Quelle: nano 6. 12. 07

Biogas:
Was im Misthaufen passiert, lässt sich auch in großem Maßstab kopieren: Mais, Gülle, Grasschnitt oder  Sonnenblumen werden mit Bakterien vermengt und in luftdichten Behältern (Fermentern) zum Faulen gebracht. Dabei entsteht Biogas.
In einem mehrstufigen Verfahren kann auch aus Holz Biogas (Holzgas) gewonnen werden.

Nach einer von der OECD in Auftrag gegebenen Studie führt der Ersatz von fossilen durch agrarische Treibstoffe zu einer weltweiten Verknappung von Nahrungs- und Futtermitteln. Zudem schädigt er die Umwelt (beschleunigt die Abholzung der Wälder) und ist unwirtschaftlich (weil viel zu hoch subventioniert).
Lediglich die Erzeugung von Äthanol aus Zuckerrohr bzw. Zellulose und die Herstellung von Biodiesel aus Abfall-produkten (Tierfett, gebrauchtes Speiseöl) reduzieren die CO2-Emissionen in beträchtlichem Ausmaß (bis 80 %).

Für ein fünfjähriges Aussetzen der Produktion von Biotreibstoffen tritt Jean Ziegler, UNO-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, ein. 200 Kilogramm Mais - eine Menge, von der eine Person sich ein Jahr ernähren kann - sind erforderlich, um 50 Liter Biotreibstoff zu erzeugen. Zudem tragen Biotreibstoffe kaum etwas zur Bekämpfung des Klimawandels bei, ist ihre Herstellung doch sehr energieintensiv. Ziegler prophezeit einen massiven Preisanstieg der Grundnahrungsmittel.

Maisfeld Ende September. Bild: NETSCHOOL

Biotreibstoffe - Vergleich
 

  erzeugt aus

Hektarertag

1 l/kg entspricht
Biodiesel Rapsöl 1.550 l 0,91 l Diesel
Ethanol Getreide, Zucker, Holz 2.560 l 0,66 l Benzin
Biogas Mais, Gülle, ... 4.950 m3 1,40 l Benzin

 
Datenrecherche bei: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe www.fnr.de

 

Sonnenenergie
 

Solarzellen: wandeln Sonnenenergie direkt in elektrischen Strom um. Ihr Wirkungsgrad liegt zwischen 5 und 17 %. Damit brauchen sie in unseren Breiten drei bis fünf Jahre um die für ihre Herstellung aufgewendete Energie wieder einzuspielen. Ihre voluminösen Brüder sind die

thermischen Solaranlagen: sie enthalten eine Substanz (Öl, Salz) die stark erhitzt wird und die aufgenommene Wärme an Wasser abgibt. Der dabei entstehende Wasserdampf bewegt eine Turbine, die wiederum einen Generator antreibt, der elektrischen Strom erzeugt.
Solarthermische KW haben gegenüber Solarzellen einen doppelt so hohen Wirkungsgrad. Sie benötigen jedoch viel Platz. Den beanspruchen die Parabolspiegel, deren Licht gebündelt auf die Behältnisse des Wärmeträgers einwirkt und ihn erhitzt. Solarthermische KW können mit Wärmetauschern bestückt sein, die ihre gespeicherte Energie in der Nacht bzw. bei schlechtem Wetter abgeben.
Ein Wüstengebiet von der Größe Österreichs, zugepflastert mit solarthermischen Kraftwerken, könnte allein den weltweiten Strombedarf decken.

 

Windkraftwerke

Ihre Standorte können an Land (preisgünstiger, hohes Aufregungspotential bei der örtlichen Bevölkerung) oder vor Meeresküsten (Offshore; zwei- bis dreimal teurer als an Land) liegen.
In Österreich genügt bereits die Zusendung eines Schoko-Bonbons um den Bau zu verhindern (Der Bürgermeister der burgenländischen Gemeinde Müllendorf erhielt ein harmloses Stück "Mon Cherie" und schon war das Windradvorhaben verweht. Er dachte wohl an seinen Kremser Kollegen, den ein vergiftetes Exemplar beinahe getötet hätte. Hatte aber nichts mit Windkraftwerken zu tun).

Windparks auf dem Meer zu bauen bedarf spezieller Schiffe. Da es derzeit nicht genug davon gibt, werden happige Mieten verlangt. Das Chartern eines Spezialschiffes kostet rund 150.000 Euro pro Tag.
Da zieht man einen Kauf durchaus in Betracht. Der Energieriese RWE (Deutschland) hat zwei Stück bestellt. Preis pro Schiff: ~100 Millionen Euro. Quelle: Handelsblatt 13. 7. 11 S 24

 

Energieopfer- und Schadenbilanz

Am Paul Scherrer Institut PSI, http://www.psi.ch, dem größten Forschungszentrum für Natur- und Ingenieurwissenschaften in der Schweiz, wird eine Datenbank (ENSAD) geführt, welche die zwischen 1970 und 2005 bei der Erzeugung von Energie Geschädigten erfasst.
ENSAD (Energyrelated Severe Accident Database) ist die weltweit größte Datenbank zu schweren Unfällen im Energiebereich. Als schwer gilt ein Unfall, wenn er eines der folgenden Kriterien erfüllt:
  1. Mindestens 5 Todesfälle
  2. Mindestens 10 Verletzte
  3. Mindestens 200 Evakuierte
  4. Weitreichendes Verbot des Verzehrs von Lebensmitteln
  5. Freisetzung von mindestens 10.000 t Kohlenwasserstoffen
  6. Säuberung einer Landes- oder Wasserfläche von mindestens 25 km2
  7. Wirtschaftlicher Schaden von mindestens 5 Mio. $ (Basis 2000)

Während des erfassten Zeitraumes erwies sich kein Energieträger auch nur annähernd als so ungefährlich wie die Atomenergie, auch bei den Langzeitfolgen (Krebserkrankungen bzw. Tod durch Krebs). Kernenergie: 32 Tote  /  Wasserkraft: 30.021 Tote  /  Kohle: 31.939
ENSAD ist auf der Website abrufbar.

 

Klimazertifikate
 

Im Kyoto-Protokoll haben sich die Staaten zur Einhaltung bestimmter Emissionsgrenzen angeblich Klima schädigender Gase (besonders CO2) freiwillig verpflichtet.
Jeder Staat teilt "sein" CO2-kontingent den heimischen Unternehmen, hauptsächlich der Industrie, zu. Überschreitet er die erlaubte Grenze, müssen Emissionsrechte (=Zertifikate) zugekauft werden. Damit er selber Umweltmaßnahmen setzt, darf ein Staat aber nicht mehr als 50 Prozent der Fehlmenge mit Zertifikaten abdecken.

Wer in Europa zu viel emittiert - z.B. Österreich - kauft EU Allowances (EUA), wer in Maßnahmen zur Verminderung von CO2-emissionen investiert, erhält Emissionsgutschriften (CER), die er verkaufen.
Der Handel mit Emissionsrechten (EUA) und Emissionskrediten (CER) erfolgt an den Klimabörsen (Chicago Climate Exchange CXX, European Climate Exchange (ECX), BlueNext, European Energy Exchange (EEX), ... .
2007 lagen die Preise für ein CO2-Zertifikat über 1 Tonne bei 7 bis 10 €, für 2008 erwarten die Händler bis zu 40 €.


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